Katastroph‘ mit dem Apostroph

Der unterdrückte Plural rebelliert

Dieser Text tanzt thematisch ein wenig aus der Reihe. Er ist eine Glosse (eine journalistische Textsorte, die mit Ironie und Übertreibung arbeitet), die ich bereits 2009 veröffentlicht habe. Das Thema – die korrekte Verwendung des Apostrophs – hat allerdings nichts an Aktualität verloren. 

Der eine kommt nicht mehr heraus aus dem abschätzigen Kopfschütteln, der andere bricht aus in schallendes Gelächter und manch einem fällt es gar nicht erst auf: Wenn das Plural-S mit einem Apostroph vom Hauptwort getrennt wird. Doch einer wehrt sich.

Lieber Apostroph,

bitte nimm mir diesen Brief nicht persönlich übel. Es ist nicht deine Schuld. Du kannst nichts dafür. Es sind die Leute, die einfachen Regeln der deutschen Sprache nicht mächtig sind und dich dafür büßen lassen.

Ich frage mich, ob unsere Mitmenschen je einen Blick in Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ geworfen – oder zumindest davon gehört haben. Darüber möchte ich ja auch lieber gar nicht nachdenken. Nur, was ist denn so schwer daran, einen Plural zu erkennen?

Aus einem Girl werden zwei Girl’s, in der Bar bekommt man zwei Cocktail’s zum Preis für einen, beim Bäcker kommen die Donut’s und Wrap’s frisch von der Theke und im Wäscheladen gibt’s die Shorty’s und Shirt’s 50 Prozent günstiger. Auffällig, dass sich die Leute bevorzugt englische Begriffe zum Verschandeln raussuchen.

Ich will mich auch gar nicht lange bei dir ausheulen und mich darüber ärgern, dass ich permanent verkannt werde. Abgesehen davon, dass ich es einfach nur Angst einflößend finde, dass Konstrukteure dieser Missbildungen die Grundschule überstanden haben und jetzt unbestraft davonkommen, fühle ich mich eigentlich nicht persönlich angegriffen.

Aber wenn man meine Daseinsberichtigung missachtet, indem man nicht merkt, dass ein Cocktail mit einem anderen zusammen eine Mehrzahl darstellt – in der Fachsprache einen PLURAL (Himmelherrgott nochmal!), dann könnte ich  a u s r a s t e n! Ich will hocherhobenen Hauptes durch die Lande gehen und gesehen werden. Ich will geehrt werden, ja ich will benutzt werden. Sagt den Menschen, sie können mich benutzen, wann immer sie aus einer Einzahl eine Mehrzahl machen!

Dann wirst du nicht mehr missbraucht, sondern musst nur dann noch zur Arbeit, wenn Gabi eine Imbissstube mit dem reizenden Namen „Gabi’s Imbissstube“ eröffnen will, oder wenn die Leute aus Faulheit „Bei Gabi gibt es Bratwurst.“ zu „Bei Gabi gibt’s Bratwurst.“ abkürzen. Und selbst bei diesen beiden Beispielen kannst du eigentlich der Arbeit fern bleiben, weil ein Apostroph keine Pflicht mehr ist.

Ich habe beschlossen, mich zu wehren. Ich werde mich mit einer eigenen Seite in die Grundschul-Lehrbücher einschleusen:

„Hallo Kinder. Ich bin ein Plural. Ich bin eine Mehrzahl. Ich brauche kein Apostroph. Wenn ihr mich benutzt, müsst ihr das s am Ende nicht mit einem Apostroph vom Hauptwort trennen. Also Kinder: Wenn ihr das nächste Mal zum Bäcker geht und Donuts essen wollt und die Flachzange es nicht gebacken kriegt auf das Schild statt „Donut’s“ (was schlichtweg falsch ist, das wisst ihr dann ja bereits) richtigerweise „Donuts“ zu schreiben, dann lacht ihn aus und sagt ihm viele Grüße von mir.“

Wenn du mitmachen willst, gib mir bitte sobald wie möglich Bescheid.

Hochachtungsvoll,

Dein Plural

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