Wie Ihnen Ihr Leser das Schreiben einfacher macht

Was eine Persona ist und wie Sie Ihnen beim Schreiben hilft

Fällt es Ihnen auch schwer, Ihre Texte zu Ende zu bringen? Weil Sie sich unsicher sind, welche Inhalte an welcher Stelle stehen sollten? Und Sie Ihre Meinung über die richtige Reihenfolge Minute für Minute wieder ändern? Die Lösung: Stellen Sie sich beim Schreiben Ihren Leser vor. Was Ihnen dabei hilft: die Erstellung einer „Persona“. Wie das geht und was Sie dabei beachten sollten.

Sie kennen das: Sie schreiben einen Text und nachdem Sie sich abgemüht haben, überhaupt etwas aufs Papier zu bringen, kommt da diese nagende Stimme im Kopf:

„Passt die Reihenfolge so wirklich?“

„Nein, dieser Absatz sollte doch weiter hoch.“

Zehn Minuten später sind Sie überzeugt, dass doch ein anderer Absatz weiter vor sollte.

„Oder doch nicht? Hmh…“

Sie sind sich völlig unsicher.

Gleichzeitig fehlt Ihnen etwas, woran Sie sich orientieren können. Irgendetwas, das Ihnen sagt, wie Sie Ihre Inhalte „richtig“ gliedern.

Glauben Sie mir, ich fühle mit Ihnen. Dieses ewige Hin und Her ist anstrengend. Weil es dafür sorgt, dass Sie nie zufrieden sind mit Ihrem Text.

Sie dürfen aufatmen: Es gibt etwas, das Ihnen ab jetzt beim Schreiben den Weg weist.

Und das ist Ihr Leser. Sich beim Schreiben vorzustellen, wer Ihren Text hinterher lesen wird, gibt Ihnen eine Richtung und Halt.

Indem Sie einen kleinen Steckbrief erstellen, werden sich viele Fragen automatisch beantworten. Im Marketing nennen wir das „Persona“.

Persona – Eine Definition

Eine Persona ist der idealtypische Vertreter Ihrer Zielgruppe.

Sie greifen sich also aus diesem diffusen Konstrukt „Zielgruppe“ genau eine Person heraus. Und diese eine Person ist der Adressat Ihres Textes.  Für diese eine Person schreiben Sie. Und wenn Sie sich unsicher während des Schreibens sind, führen Sie sich Ihre Persona vor Augen: Welche Reihenfolge ist für sie sinnvoll? Welche Informationen benötigt sie gar nicht und kann ich weglassen?

Persona – Die typischen Stolpersteine

Ok – ich gebe es zu. So einfach, wie das jetzt vielleicht klingen mag, ist es mitunter nicht.

Denn womöglich haben Sie sich noch nie mit der Frage beschäftigt, wie genau Ihre Zielgruppe eigentlich aussieht bzw. wer Ihre Texte genau lesen soll. Das erlebe ich oft in meinen Schreibtrainings. Und das ist ok!

In der Schule lernen wir nicht, uns zu fragen, wer unsere Texte eigentlich lesen soll. (Meist ja „nur“ unser Deutschlehrer. Und der hatte ja ohnehin keine Wahl…)

Dennoch kann Ihnen nur wärmstes empfehlen, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen, wenn Sie sich dieses ewige Hin- und Her beim Schreiben künftig ersparen möchten.

Darum zeige ich Ihnen, wie Sie sich Ihre Persona „erstellen“. Denn im Idealfall müssen Sie gar nichts konstruieren, weil Ihre Persona eine reale Person ist.

Persona erstellen in drei Schritten

Am besten gehen Sie in drei Schritten vor, wenn Sie Ihre Persona beschreiben.

Diese sind:

  1. Schritt: Zielgruppe identifizieren
  2. Schritt: Zielgruppe definieren
  3. Schritt: Persona beschreiben

Dazu eine Anmerkung: Diese drei Schritte sind verkürzt dargestellt. Zum Thema Persona ließe sich einen ganzer Roman schreiben. Mir geht es in diesem Artikel darum, Ihnen die wichtigsten Punkte zu vermitteln, damit Sie schnell in der Lage sind, mit der Persona auch zu arbeiten.

Schritt 1 – Zielgruppe identifizieren

Listen Sie zuerst alle Gruppen auf, die Sie ansprechen.

Unterscheiden Sie, wenn nötig, auch in die so genannte primäre und sekundäre Zielgruppe.

Primäre Zielgruppe heißt: Diese brauchen Ihr Angebot.

Sekundär sind jene Menschen, die zwar wissen sollten, dass es Ihr Angebot gibt, aber es wahrscheinlich nicht in Anspruch nehmen werden. Oft sind das so genannte Multiplikatoren, also Personen, die Ihr Angebot bei Ihrer primären Zielgruppe bekannt machen, weil sie mit ihnen in Kontakt stehen.

Schritt 2 – Zielgruppe definieren

Im zweiten Schritt greifen Sie sich aus der oder den Zielgruppe/n genau eine Person heraus und schauen sich diese näher an.

Wenn Sie Ihre Zielgruppe kennen, wählen Sie eine real existierende Person aus. Idealerweise einen Lieblingskunden. Mit dem die Arbeit am meisten Spaß macht, Sie die besten Ergebnisse erzielen oder den meisten Umsatz machen.

Schritt 3: Persona beschreiben

Demographische Daten

  • Geben Sie der Person einen Namen. (Oder notieren Sie ihren wirklichen Namen.)
  • Welchen Beruf übt sie aus?
  • Welche Hobbys hat sie?
  • Wie alt ist sie?
  • Ist sie männlich oder weiblich?
  • Wo wohnt sie? (Bundesland? In der Stadt oder ländlich?)
  • Über welche Kanäle kommuniziert sie bevorzugt? Welche Informationsquellen nutzt sie?

Was ist typisch für diese Person?

  • Welche Ziele hat Ihre Persona im Beruf und privat?
  • Was sind ihre Probleme?
  • Welche Wünsche hat sie?
  • Was hält sie davon ab, diese Wünsche und die Ziele zu erfüllen bzw. zu erreichen?

Schreiben Sie sich all das auf. Am Ende erhalten Sie eine Art Steckbrief. Sie werden feststellen, wie Sie sofort ein besseres Verständnis der Person bekommen.

Wie Sie Ihre Zielgruppe besser kennenlernen

Sie fragen sich, wie Sie Probleme, Hindernisse, Ziele und Wünsche rausfinden sollen? Der einfachste Weg: Fragen Sie Ihre bestehenden Kunden.

Wenn Sie noch am Anfang stehen und keine Kunde haben: Lesen Sie in Foren, in denen Ihre Zielkunden unterwegs sind. Suchen Sie auf Amazon und Co. nach passenden Büchern zu Ihrem Thema und lesen Sie sich durch, was Käufer dazu sagen und wie sie ihr Problem beschreiben.

Trauen Sie sich ruhig, auf Ihre Zielgruppe zuzugehen. Ihre Kunden freuen sich garantiert über Ihr Interesse.

Mögliche Schwierigkeiten beim Erstellen der Persona

Eventuell merken Sie folgende Hindernisse:

  • Ihre Zielgruppe ist ziemlich groß, weil Sie viele verschiedene Angebote haben.
  • Ihre Zielgruppe ist gut eingegrenzt, aber Sie stellen fest, dass Sie sich nicht auf eine einzige Person festlegen können, weil sie sich zu sehr unterscheiden.

Und hier kommen wir zum Knackpunkt der Persona-Erstellung.

Je größer die Zielgruppe ist, die Sie ansprechen, desto weniger fühlt sich jeder einzelne angesprochen. Weil Sie – um alle anzusprechen – nicht ins Detail gehen können, sondern generell bleiben müssen. Und das eben holt niemanden wirklich ab.

Und es macht Sie unsicher. Denn die verschiedenen Zielgruppen haben unterschiedliche Interessen. Für den einen ist Punkt 1 wichtig, für den anderen Punkt 2. Wenn Sie in ein- und demselben Artikel versuchen, beide abzuholen, werden Sie auf ewig unsicher sein, welche Information an den Anfang gehört. Und dieser Interessenkonflikt führt dazu, dass Sie Ihre Texte immer wieder überarbeiten und das Gefühl haben, dass es nie wirklich passt.

Die (nicht so einfache) Lösung: Entscheiden Sie sich

Sie sollten sich also fragen, für wen Sie schreiben.

Und dem zugrunde liegen die essenziellen Fragen: Mit wem möchte ich eigentlich arbeiten? Und welche Angebote umfasst mein Portfolio?

Diese Fragen gehören zum Prozess der Positionierung. Und dieser benötigt ein bisschen Zeit. Es ist also völlig legitim, wenn Sie im Moment vielleicht ein Gefühl der Überforderung oder einen Knoten im Kopf verspüren. An dieser Stelle darf ich Ihnen einen Artikel meiner wunderbaren Kollegin Angelika Färber empfehlen, die Expertin für Positionierung ist:

Einzigartig als Solo-Unternehmer: Ohne Entscheiden geht es nicht!

Die Vorteile, sobald Sie sich entschieden haben

Sobald Sie sich entschieden haben, für wen Sie schreiben, haben Sie ein klares Bild Ihres Lesers vor Augen – der im Idealfall eine real existierende Person ist.

Und damit werden Ihnen einige Punkte deutlich:

  • die passende Wortwahl
  • wie Sie den Leser ansprechen
  • was Ihren Leser interessiert
  • wie Sie die Inhalte am besten anordnen
  • was Sie weglassen können und warum

Ein weiterer Vorteil: Sie werden als Experte wahrgenommen

Wenn Sie bisher noch recht viele verschiedene Leistungen anbieten, bringt eine Fokussierung auf wenige Angebote einen entscheidenden Vorteil mit sich: Sich auf ein Thema bzw. eine Nische zu konzentrieren, führt dazu, dass Sie als Experte für Ihr Thema wahrgenommen werden.

Wenn Sie Schmerzen im Knie haben, werden Sie wahrscheinlich auch lieber zu einem Knie-Spezialisten gehen wollen, als einem Allgemeinmediziner, oder?

Kunden wissen also, warum Sie genau zu Ihnen kommen wollen – und nicht zur Konkurrenz. Ihre Expertise steht im Vordergrund, womit auch eine höhere Wertschätzung durch Ihre Kunden einhergeht. Denn sie werden mit Ihnen auf Augenhöhe sprechen und Sie nicht mehr als „Dienstleister“ sehen, sondern als Berater und Partner. Damit wird auch der Preis Ihres Angebotes plötzlich zweitrangig.

Fazit

Sie sehen: Eine Persona hilft Ihnen nicht nur beim Schreiben, sondern in noch vielen weiteren Bereichen Ihres Business (wenn nicht sogar allen). Natürlich können Sie auch mehrere Personas erstellen. Fragen Sie sich nur immer wieder vor dem Schreiben. Für wen schreibe ich jetzt? Wer soll diesen Text hinterher lesen?

Sollten Sie auf eine der Schwierigkeiten gestoßen sein: Lassen Sie sich bitte nicht entmutigen. Wenn Sie das Gefühl haben, sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht entscheiden zu können oder nicht wollen – vertagen Sie es. Schließlich sollen Sie nicht vor lauter Frust aufhören, Texte für Ihr Business zu schreiben. Aber behalten Sie es im Hinterkopf, dass Sie sich irgendwann entscheiden sollten.