Drei klassische Irrtümer aus dem Deutschunterricht

Typische Fallstricke von Website-Texten

Ja, schreiben haben wir alle in der Schule gelernt – der Deutschunterricht hat uns schließlich zwölf oder 13 Jahre lang begleitet. Nur allzu verständlich, dass wir das, was wir in der Schule gelernt haben, direkt auf Texte für unsere Website anwenden. Das Web tickt allerdings komplett anders – und darum tappen viele in typische Fallen, wenn sie ihre eigenen Website-Texte schreiben. Lesen Sie die häufigsten drei.

Es ist gar nicht so einfach, die eigenen Website-Texte zu schreiben. Ich bin bei Ihnen. Wenn Sie regelmäßig verzweifeln: Sie sind nicht alleine. So wie Ihnen geht es vielen Solo-Unternehmen.

Niemand hat uns in der Schule beigebracht, wie wir überzeugende Website-Texte schreiben. Denn korrekter Ausdruck und fehlerfreie Grammatik allein überzeugen Ihre Besucher noch nicht. Im Gegenteil: Das, was uns damals als erstrebenswert gelehrt wurde, ist im Web eher kontraproduktiv. Denn womit Sie sich bei Ihren Deutschlehrern eine 1 mit Sternchen verdient hätten, vergrault potentielle Kunden eventuell sogar.

Am häufigsten begegnen mir diese drei Punkte:

  1. Langatmige Formulierungen
  2. Reiner Fließtext
  3. Der Leser steht nicht im Mittelpunkt

Wo genau die Knackpunkte liegen, und wie Sie diese Stolperfallen umgehen, schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

1. Langatmige Formulierungen

Schachtelsätze, Bandwurmsätze – nennen Sie es, wie Sie möchten. In der Schule (und in vielen anderen Bereichen) gehört es irgendwie zum guten Ton, sich in möglichst langatmigen Formulierungen auszudrücken.

Als ich noch als Referentin im öffentlichen Dienst gearbeitet habe, hatte ich oft das Gefühl: Wer die längsten Sätze schreiben kann, glaubt die Krone der Bewunderung und Hochachtung zu verdienen.

Sie wissen es selbst, wie schwer solche Konstruktionen zu erfassen sind, oder? Mitunter müssen Sie solche Satzmonster zwei, drei Mal oder noch öfter lesen, um den Inhalt zu verstehen.

Ja – die nach wie vor herrschende Meinung besagt immer noch: Je komplizierter sich jemand ausdrücken kann, desto klüger ist er.

Aber Achtung: Das ist weit gefehlt. Denn das Gegenteil ist der Fall: Wer ein Experte in seinem Fach ist, kann selbst komplizierte Sachverhalte in einfachen Sätzen erklären. Wie komplizierte Sprache Ihnen schadet und warum Sie mit verständlichen Texten erfolgreicher sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Und genau das ist mein Tipp für Ihre Website-Texte: Schreiben Sie kurze und verständliche Sätze. Die maximale Länge liegt bei ca. 20 Wörtern. Das ist die Länge, die unser Gehirn optimal verarbeiten kann.

2. Reiner Fließtext

Denken wir an einen Schulaufsatz, sehen wir – was? Blatt um Blatt voll mit Text, von oben bis unten vollgeschrieben.

Für eine Interpretation von Goethes Faust oder eine Erörterung des Woyzeck (Mein Abi-Thema – hach, das waren noch Zeiten …) ist es natürlich sinnvoll, einen Fließtext zu formulieren. Damals sollten wir zusammenhängend unsere Gedanken darlegen. Stimmige Herleitungen, logische Abfolgen, Einleitung, Hauptteil, Schluss. Fast Mantra-artig wurde uns das damals vorgebetet.

Und da ist es nur allzu verständlich, dass wir diese Regeln übernahmen, als wir die ersten Schritte für unsere Website-Texte gingen.

Das Problem: So funktioniert das Web nicht.

Reiner Fließtext ist das dunkle Schreckgespenst auf einer Website, vor dem neue Besucher sofort die Augen verschließen und direkt wieder wegklicken.

Warum? Weil er die Augen und das Gehirn schier überfrachtet. Website-Texte sind keine Prosa. Ein Buch lesen und auf einer Website Informationen suchen, sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Im Web lesen wir nicht Wort für Wort. Wir scannen die Texte auf der Suche nach relevanten Inhalten. Finden wir sie – dann lesen wir Wort für Wort. Aber diese Aufmerksamkeit Ihrer Besucher müssen Sie sich erst verdienen.

Ergo heißt das: Machen Sie es Ihren Besuchern so leicht wie möglich, Ihre Texte zu überfliegen, DAMIT sie die Chance haben, Relevantes zu finden und dann alles genau durchzulesen.

„Brechen Sie Ihre Texte auf“, indem Sie sie möglichst luftig formatieren:

  • Fügen Sie nach spätestens fünf Zeilen einen Absatz ein
  • Formatierungen Sie Aufzählungen als Listen (so wie diese hier)
  • Fügen Sie Zwischenüberschriften ein, die die nachfolgenden Absätze treffend zusammenfassen

(Wenn Sie sich diesen Blogbeitrag genauer anschauen, finden Sie all diese Punkte wieder.)

Und auch andere Seiten auf meiner Website, wie die Startseite oder Über mich sind in kurze Abschnitte aufgeteilt, damit sie möglichst schnell zu erfassen sind.

3. Der Leser steht nicht im Mittelpunkt

Während ich diesen Absatz schreibe, fühle ich mich wieder zurückversetzt an meine Abiturklausur im Fach Deutsch: 120 Abiturienten in der Turnhalle, fünf Stunden Zeit, „bewaffnet“ mit so viel Nervenfutter, das man eine gesamte Kompanie versorgen könnte.

Unser einziges Ziel: Das vorgegebene Thema (in meinem Fall Woyzeck) in den fünf Stunden möglichst treffend erarbeiten und niederschreiben. So, dass Erst- und Zweitprüfer mit übereinstimmender Meinung so viele Punkte wie möglich verteilen. (In meinem Fall einigte man sich auf 11 von 15 Punkten…)

Was Sie an diesem Beispiel sehen: Unser Ziel war nicht, uns darüber Gedanken zu machen, wie wir die Aufmerksamkeit unserer Leser wecken, damit sie in den Text „einsteigen“ oder ihn möglichst lange fesseln. Es ging einzig und allein darum, das Thema zu erfassen.

Wir haben also nie gelernt, uns zu fragen, wer eigentlich auf der anderen Seite sitzt und welche Bedürfnisse er hat. (Warum auch? Die Lehrer hatten ja keine Wahl, sie mussten unsere geistigen Ergüsse lesen, ob sie wollten oder nicht, harhar! 😊)

Und das ist fatal.

Denn so schreiben wir im Hier und Jetzt eben das, was wir selbst als wichtig erachten. Und daran ist auch nichts verwerflich. Nur: Soll Ihre Website Ihnen dabei helfen, die richtigen Kunden anzuziehen, sollten Sie Ihren Leser im Blick behalten.

Woran Sie erkennen, dass Sie beim Schreiben nicht an Ihre Besucher gedacht haben:

A) Sie wissen noch gar nicht, für wen Ihr Angebot geeignet ist und schreiben „für alle“.

B) Sie führen nur die Eigenschaften Ihres Angebotes an. Nicht aber Ergebnisse und Resultate.

C) Sie schreiben nur über sich und Ihr Business

Haben Sie im Kopf ein paar Häkchen gesetzt? Keine Sorge – wie gesagt, das passiert häufig.

So gehen Sie Schritt für Schritt auf Ihren Leser zu:

1)

Fragen Sie sich zunächst, wer eigentlich Ihre Zielkunden sind. „Na alle“ – ist leider nicht konkret genug. In diesem Artikel zeige ich Ihnen am Beispiel eines Frauen-Fitnessstudios, wie eine Zielgruppe präziser definiert werden kann.

2)

Fragen Sie sich dann, welche Vorteile die Eigenschaften oder Services Ihres Angebots haben. Bieten Sie für Ihren Online-Kurs ein Arbeitsbuch zum Ausdrucken an? Fein – dann ist einer der Vorteile, dass Teilnehmer nichts mitschreiben müssen. Das Ergebnis? Sie können sich auf die Inhalte konzentrieren und alles jederzeit wieder nachschlagen.

Es ist wichtig, die konkreten Vorteile deutlich herauszustellen. Denn nein, potentielle Kunden können sich das nicht automatisch denken. Und indem Sie zeigen, welchen Nutzen Ihr Angebot hat, steigen Sie dessen Wert. Und je mehr Wert Ihr potentieller Kunde in Ihrem Angebot sieht, desto mehr rückt der Preis in den Hintergrund.

Genau darum ist es so wichtig, dass Sie Ihre Zielgruppe definieren und kennen: Haben Sie ein genaues Bild davon, wer Ihr Angebot benötigt und kauft, können Sie messerscharf herausstellen, wie sich Ihr Angebot im Alltag auswirken wird.

3)

Schreiben Sie nicht nur über sich. Natürlich möchten Ihre Besucher wissen, wer Sie sind. Aber sie wollen auch wissen, was das mit ihnen zu tun hat.

Sagen wir, Sie sind Mediatorin. Das Ergebnis für Ihre Kunden, z.B. Abteilungsleiter, deren Abteilung von zwei Streithähnen in Schach gehalten wird? Dass sich die Mitarbeiter wieder auf ihre Arbeit konzentrieren und leistungsfähig sind.

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