Schreibe kurz und sie werden dich lesen!

Wie Ihre Texte in vier Schritten knackiger werden

Kurz und knackig schreiben ist für fast jeden das wichtigste Ziel, wenn es ums Schreiben geht. So gut wie jeder Teilnehmer meiner Seminare hat dieses Ziel auf dem Schirm. Dabei ist das gar nicht so schwer, wenn Sie vier einfache Regeln beherzigen.

Die Überschrift ist ein Zitat, das ich während der Recherche für ein anderes Thema gefunden habe. „Schreibe kurz und sie werden dich lesen!“ Dieser Satz stammt von Joseph Pulitzer. Den werden Sie wahrscheinlich nicht kennen, müssen Sie auch nicht. Der Pulitzer-Preis ist DIE Auszeichnung für Journalisten. Wikipedia nennt sie den „Oscar für Journalisten“. Während meines Studiums lernte ich diesen Herren im Modul Journalismus bereits kennen und schätzen. Darum habe ich mich gefreut, dass ich für eine Regel, die ich wie ein Mantra predige, so prominente Unterstützung erhalte.

„Halten Sie sich kurz“ ist auch eine der fünf Regeln, die meine Checkliste beinhaltet, die Sie sich kostenlos herunterladen können.

Was also heißt „Schreibe kurz“?

Hier sind vier Punkte, die Sie beachten sollten:

1. Kurze Wörter

Je weniger Silben ein Wort hat, desto besser. Denn je länger es wird, desto steifer und umständlicher klingt es. Und desto holpriger macht es den Lesefluss.

Faustregel: Ein Wort sollte maximal vier Silben haben. Mit jeder mehr kommen Sie dem Behördendeutsch immer näher. Oft können Sie für ein- und dasselbe Wort kürzere Wörter verwenden.

Beispiele gefällig?

    • Rückerstattung = Erstattung
    • Fragestellung = Frage
    • Unkostenbeitrag = Kosten
    • Vorerfahrung = Erfahrung

2. Eine Botschaft pro Satz

Der ideale Satz vermittelt eine einzige wichtige Information.

Alles, was darüber hinausgeht, kann vom Gehirn nicht mehr optimal aufgenommen werden. Das Wichtige wird dann von Nebensächlichkeiten übertönt und das Gehirn weiß nicht, was die Essenz dieses Satzes ist. Machen Sie es Ihrem Leser daher so einfach wie möglich, zu verstehen, was in jedem Satz das Wichtigste ist.

3. Kurze Sätze

Der ideale Satz hat ca. 13 Wörter. Wenn Sie verschachtelte Sätze mögen: ein Nebensatz ist ok! Der wiederrum sollte ca. 7 Wörter haben.

Das heißt: Insgesamt sollte nach ca. 20 Wörtern Schluss sein – danach wird es zu lang.

Zählen Sie ruhig mal in Ihren Texten nach, wo Sie sich im Durschnitt bewegen! (Und lassen Sie es mich gern in den Kommentaren unten wissen!)

Sind Ihre Sätze generell zu lang? Haben Sie das Gefühl, dass Sie „blumig“ schreiben. Oder gehören Sie zu eben denen, die sich wünschen kurz und knapp schreiben zu können?

Vielleicht neigen Sie zu Füllwörtern? Die sollten Sie konsequent aus Ihren Texten streichen! Füllwörter werden auch „Blähwörter“ genannt. Sie erfüllen keine Funktion, blähen aber Ihren Text unnötig auf, wie:

  • somit
  • damit
  • dementsprechend

Weitere Beispiele für Füllwörter

4. Kurze Absätze

Generell erleichtern Absätze das Lesen. Der Weißraum, der so entsteht, ist angenehm fürs Auge – was vor allem online sinnvoll ist.

Sie kennen sicher das Phänomen der „Bleiwüste“ – wenn Sie eine Seite aufschlagen oder aufrufen, die keine Absätze hat und sie mit der Fülle an Text fast erschlägt.

Absätze helfen dem Leser aber auch, den Inhalt schneller zu erfassen. Denn eine Sinneinheit sollte ein Absatz sein.

Für Webtexte können Sie als Faustregel vier Zeilen nehmen. Jede Zeile sollte rund 50 Zeichen lang sein (das sind erfahrungsgemäß ca. 12 Wörter.)

Vorher-Nachher-Beispiel

Ein Beispiel flatterte mir ins Postfach, während ich diesen Blogbeitrag geschrieben habe. Es geht um das Buchhaltungstool, das ich nutze.

Auszug aus der Mail:

Zum Jahresstart haben wir heute die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können, nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

Dieser Satz hat 38 Wörter. 38! Dreimal so viel, wie empfohlen.

Dazu kommt die Fülle an Informationen in diesem Satz. Ich persönlich zähle fünf Botschaften:

  1. Zum Jahresstart haben wir heute
  2. die im letzten Newsletter angekündigte
  3. Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können,
  4. nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts
  5. für alle PRO+ Accounts freigeschaltet

Je nach Detailverliebtheit könnten es noch mehr sein (z.B. dass die Betaphase erfolgreich war). Aus meinen Vorträgen und Seminaren weiß ich, dass die Varianz der gezählten Informationen gewaltig auseinander klaffen kann.

Die eigentliche Botschaft lautet für mich als Nutzer:

Du hast einen Pro+ Account? Dann kannst du ab heute die Layouts deiner Dokumente per eigenem CSS individualisieren.

Diese Sätze haben fünf bzw. 13 Wörter.

Alle anderen Informationen des Originalsatzes könnten getrost weggelassen werden und ich weiß trotzdem, um was es geht. Wenn ich unbedingt sagen möchte, dass es eine Betaphase gab und mit wem, kann das immer noch in nachfolgende Sätze. Hier greift übrigens eine weitere Regel meiner Checkliste: „Das Wichtigste zuerst!“

(An dieser Stelle möchte ich nur kurz unterstreichen, dass ich mein Buchhaltungstool  L I E B E (Mein Steuerberater auch. Es heißt übrigens Papierkram.)

Sie haben das Problem, dass keiner liest, was Sie schreiben? Woran es liegen kann und wie Sie das ändern.