(Zu) kurze Website-Texte schreiben: Wieso Sie damit aufhören sollten

Warum „möglichst knapp“ nicht immer gut ist

 „Ich will es kurz und knapp halten!“ oder „Das ist viel zu lang, das interessiert doch keinen!“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja, als Solo-Selbstständige wollen wir, dass unsere Besucher unsere Website am besten komplett lesen. Darum wollen wir sie nicht überfrachten mit Informationen.  Aber interessiert es wirklich keinen und sollten wir tatsächlich niemanden „nerven“? Ein paar Gedankenanstöße.

Ja, ich weiß, im Web wird nicht mehr viel gelesen. Wahrscheinlich fragen Sie sich gerade, ob ich ein bisschen übergeschnappt bin… Ernsthaft dafür zu plädieren, dass kurz nicht immer gut ist. Schließlich erzähle ich Ihnen in einem meiner Beiträge ja noch, wie wenig im Netz gelesen wird.

Im Netz wird nur noch gescannt? Was das wirklich bedeutet.

Das Problem ist: Die meisten verstehen dieses Nutzerverhalten falsch. Ich  mache Ihnen hier keineswegs einen Vorwurf, schließlich kursiert diese Aussage ja überall. Nur, kaum jemand erzählt die Geschichte zu Ende.

Dass Menschen im Web scannen heißt nicht, dass sie gar nicht mehr lesen.

Was richtig ist: Am Anfang überfliegen sie Websites erstmal, um zu schauen, ob es darauf etwas Relevantes für sie gibt.

Und ist das so – und das eben wird viel zu selten gesagt – dann lesen Ihre Besucher auch Wort für Wort.

Was heißt hier „Das interessiert doch eh keinen“?

„Liest sowieso keiner“, heißt es schnell, wenn Texte etwas länger sind. Diesen Satz kennen wir nur zu gut, oder?

Ich bin bei Ihnen. Wir haben Angst, jemanden zu nerven, oder? Die Leser sollen nicht denken, dass hier eine Textwelle auf sie zurollt.

Und ich möchte, dass Sie umdenken. Was steckt hinter „Das interessiert doch eh keinen“?

Woher nehmen Sie diese Annahme? Ist das nicht eine Absage an Ihren eigenen Text? Glauben Sie so wenig an das, was Sie geschrieben haben? (Sie verzeihen mir diese provokante Frage, ja?)

Und lassen Sie mich etwas provokanter fragen: Wenn das so ist, warum tun Sie dann nicht etwas dafür, dass der Inhalt interessant wird?

Sie schreiben nicht für alle. Echt nicht.

In der ganzen Diskussion um „Im Web liest doch eh keiner“ geht eine Sache fulminant unter:

Sie schreiben auf Ihrer Website nicht für jeden.

Nein?

Nein.

Sie schreiben für diejenigen, die potentiell an Ihrem Angebot interessiert sein könnten. Die es gebrauchen können. Für alle anderen schreiben Sie nicht.

Hier fällt mir der berühmte Spruch ein: „Ein guter Verkäufer kann sogar einem Polarbewohner einen Kühlschrank verkaufen“. Dieses Zitat ist so irreführend (und falsch!), dass jeder meint, er müsse nur klug genug verkaufen und habe den Fisch am Haken.

Und das stimmt nicht. Jedenfalls nicht, wenn Sie etwas Moral haben und nicht jedem alles andrehen wollen – und sich dann auch noch für den tollsten Hecht unter der Sonne halten.

Wie ich eben schon schrieb: Sie adressieren mit Ihrer Website nur die Menschen, an die sich Ihr Angebot richtet. Ihre idealen Kunden.

Und hier sollten wir den Ausspruch „Das interessiert eh keinen“ infrage stellen, oder?

Wollen wir uns wirklich möglichst kurzhalten, nur damit es „irgendwem“ nicht zu lang ist?

Wenn jemand nicht zu unserer Zielgruppe gehört bzw. nicht unser idealer Kunde ist – kann es uns dann nicht egal sein, wenn ihn unsere Inhalte nicht interessieren?

(Das ist übrigens der Grund, warum es nicht immer eine gute Idee ist, Freunde und Familie nach ihrer Meinung zu Ihrer Website zu fragen…)

Mit zu kurzen Texten verlieren Sie Ihre idealen Kunden

Ja – es ist richtig, dass die Überschrift, die ersten Worte und Sätze überzeugend sein müssen, um die Aufmerksamkeit Ihrer Besucher zu gewinnen.

Nehmen wir mal an: Ein Interessent hat genau nach einem Angebot wie Ihrem gesucht und ist auf Ihrer Website gelandet. Nach etwas Querlesen bekommt er das Gefühl hat, Sie könnten ihm helfen. Und jetzt will er mehr wissen, weil er sicher gehen will, dass er sich richtig entscheidet.

Sie aber – weil Sie ja bloß niemanden mit zu viel Text nerven wollen – haben die Inhalte auf ein Minimum beschränkt (und hoffen, dass Interessenten sich melden).

So sucht Ihr Interessent vergebens nach Infos, die ihn letztlich überzeugen würden, wie zum Beispiel Kundenstimmen am Ende der Angebotsseite (die wichtig sind, um Vertrauen zu Ihnen aufzubauen).

Oder jemand Ihren Blogartikel richtig klasse findet und wissen will, was Sie anbieten. Und nicht erkennt, dass Ihr Angebot genau zu ihm passt. Weil Sie es als provokant empfinden, die Probleme und Wünsche Ihrer Zielkunden zu beschreiben und diesen Teil deswegen weglassen. Obwohl genau hier die „Magie“ passiert, wo Ihr Kunde erkennt, dass Sie ihn verstehen.

Sie sehen, wie kurze Texte Ihr Ziel, mit Ihrer Website (die richtigen) Kunden zu überzeugen konterkarieren?

Lassen Sie es mich darum nochmal unterstreichen: „Möglichst kurz“ ist Quatsch. Webtexte dürfen auch mal lang sein. Aber dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen:

  • Der Einstieg muss relevant sein
  • Der Text muss knackig formuliert sein und darf nicht langatmig sein.
  • Ihre Website sollte „leicht konsumierbar“ aussehen

Die ersten Worte entscheiden

In wenigen Worten überzeugen. Das wollen wir, oder? Und das geht. Aber dafür müssen wir unsere Zielgruppe kennen.

Denn tun wir das, wissen wir, was ihnen wichtig ist. Und können dann schlagkräftige Nutzenargumente finden, die sie überzeugen. Oder eine Headline mit einem Versprechen formulieren, das in unseren idealen Kunden Neugier weckt.

Und nein, das ist nicht einfach, das sage ich nicht. Aber es wird leichter, wenn wir wissen

  1. wer unsere idealen Kunden sind und
  2. was unsere idealen Kunden wollen.

Das Aussehen ist (auch) entscheidend

Und der zweite Faktor

Weil ich als Jugendliche ziemlich dick war, bin ich die erste, die für die inneren Werte plädiert. Im Falle von Website-Texte zählen aber tatsächlich auf den ersten Blick die äußeren, um unsere Besucher nicht zu verprellen.

Und hier sind wir wieder bei der Aussage, dass im Netzt Texte oft nur überflogen werden.

Ermöglichen Sie Ihren Besuchern, Ihre Website schnell zu überfliegen.

Damit das möglich ist, sollten die Seiten leicht „konsumierbar“ aussehen, eben „leicht zu lesen“. In kürzester Zeit muss sich ein Besucher einen Überblick verschaffen können, ob Ihre Seite relevant ist – um zu entscheiden, ob er mehr lesen will.

Das heißt:

  • Aussagekräftige Überschriften, die sofort deutlich machen, worum es geht (präzise schlägt kreativ)
  • Absätze, Absätze, Absätze! (maximal vier Zeilen, im Zweifelsfall besser noch kürzer)
  • Genügend Zwischenüberschriften (spätestens nach 300 Wörtern)
  • Generell ein luftiges Aussehen mit viel „Weißraum“ (der automatisch entsteht durch viele Absätze und Zwischenüberschriften)

Nein, im Netz wird nicht nur noch gescannt

Ja, im Netz wird gescannt – aber nicht nur. Denn es gibt sie: die Leute, die Wort für Wort lesen.

Entweder, weil sie einfach die Zeit haben.

Oder (und hier wird es interessant), weil es sie wirklich interessiert, was Sie zu sagen haben (= Ihre potentiellen Kunden).

Wir müssen also beide Lesetypen bedienen:

  • Scanner
  • Wort-für-Wort-Leser

Die Scanner machen Sie glücklich, indem Sie die obigen Punkte zum Aussehen berücksichtigen.

Beantworten Sie die wichtigsten Fragen Ihrer Besucher

Und für alle, die dann tiefer einsteigen, ist Ihr Credo: Lassen Sie nicht Informationen weg, nur weil Sie „niemanden“ nerven wollen! Wen es nicht interessiert, der überfliegt es halt nur. Und ist das schlimm? Nein.

Umso wichtiger ist es eben, dass Sie am Anfang in wenigen Worten klar machen, dass hier etwas Relevantes steht. Und das wiederum tun Sie, wie gesagt, indem Sie Ihren Kunden das Gefühl geben, dass Sie sie verstehen.

Und dann beantworten Sie die wichtigsten Fragen Ihrer Besucher. Auch wenn das mal was länger wird.

Es gibt nicht DIE perfekte Länge

Und weil die Frage sicher die ganze Zeit schon in Ihrem Kopf schwirrt: Nein, es gibt keine magische Zahl, keine „richtige“ Textlänge.

Denn die optimale Länge hängt auch von einem ganz entscheidenden Faktor ab: Um welche Seite geht es? Startseite, Verkaufsseite, Blogartikel?

Weil jede Unterseite unterschiedliche Aufgaben und Ziele hat, ist jede davon unterschiedlich aufgebaut – und deswegen unterschiedlich lang. Und je mehr Sie recherchieren, desto mehr Meinungen finden Sie, ehrlich. Für Blogartikel stoßen Sie zum Beispiel auf diese Informationen: mindestens 300 Wörter, optimal seien mindestens 1.000 Wörter.

Homepage (=Startseite) und Über-mich-Seite betrachte ich persönlich nicht als gesamten Text, sondern als Textbausteine. Denn beide Seiten bestehen nicht (wie zum Beispiel Blogartikel) aus Fließtexten, sondern eher aus Häppchen wie auf einem Buffet. Die einzelnen Textbausteine sind jeweils sehr kurz.

Ich habe mal gezählt und mein kürzester Textbaustein ist gerade mal 21 Wörter lang (Startseite, „Meine Leistungen“) und der längste 160 Wörter (Über-mich-Seite, „Mein Werdegang“).

Erfahren Sie mehr zum zielführenden Aufbau dieser Seiten:

Was auf die Startseite gehört

Die Elemente der „Über-mich-Seite“

Überzeugende Website-Texte schreiben? Lernen Sie in meinem neuen Onlinekurs!

Schritt für Schritt die wichtigsten Seiten Ihrer Website schreiben – in meinem neuen Online-Kurs zeige ich es Ihnen. Es gibt sogar Vorlagen mit empfohlenen Textlängen, in die Sie „nur noch“ hineinschreiben müssen.

Klingt gut? Dann tragen Sie sich in meinen Newsletter ein und Sie erfahren als erstes, wenn es soweit ist und profitieren vom Frühbucherpreis.