Warum Sie mit besseren Texten erfolgreicher sind

Und wie komplizierte Sprache Ihnen schadet

Sie wollen kompetent wirken und mit Ihren Texten erfolgreich sein? Leser begeistern oder Kunden überzeugen? Dann sind verständliche Texte in klarer Sprache der Schlüssel zum Erfolg. Denn so werden Sie als intelligenter wahrgenommen. Das hat eine Studie der Princeton University herausgefunden. Warum genau Sie mit besseren Texten erfolgreicher sind und wie komplizierte Sprache Ihnen schadet, erkläre ich Ihnen in diesem Artikel.

Menschen, die ohne Grund lange Wörter verwenden, werden als weniger intelligent angesehen als diejenigen, die sich mit verständlichem Vokabular und in klarer Sprache ausdrücken.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die 2005 an der Princeton University durchgeführt wurde.

Die Studie bestand aus fünf Experimenten, in denen die Komplexität des Vokabulars systematisch manipuliert wurde. Das Ergebnis: Der unnötige Schwierigkeitsgrad verringerte nicht nur den Lesefluss. Er führte auch dazu, dass die Leser die Autoren dieser Texte negativer bewerteten.

Verständliche Texte lassen Sie kompetenter wirken

Ein Ansatz, der das erklärt, ist die „Verarbeitungsflüssigkeit“ (processing fluency). Sie beschreibt die Leichtigkeit, mit der eine Information verarbeitet werden kann.

Studien haben gezeigt, dass eine hohe Verarbeitungsflüssigkeit mit vielen positiven Eigenschaften verbunden wird.

Wenn ein Text also so geschrieben ist, dass wir ihn flüssig lesen können (u.a. bekannte Wörter, kurze Sätze, schlüssiger Aufbau) – und damit einfacher verarbeiten – führt das dazu, dass wir

  • den Wahrheitsgehalt höher bewerten,
  • den Status des Autors höher einschätzen,
  • schneller Vertrauen entwickeln und
  • Sympathie entwickeln.

Diese Wirkung ist am stärksten, wenn der Text so flüssig zu lesen ist, dass der Leser sogar überrascht ist, wie flüssig er zu lesen ist.

Hier also liegt das Geheimnis, warum bessere Texte – also solche, die gut lesbar und verständlich sind – zu unserem Erfolg beitragen: Die Leser sind eher dazu geneigt, uns zu mögen und trauen uns mehr zu – und bringen das automatisch mit einer höheren Intelligenz in Verbindung.

Die Konsequenz: Komplizierte Sprache ist ineffektiv und schadet Ihnen

Die landläufige Meinung, sich in verschachtelten Sätzen auszudrücken und kompliziertes Fachvokabular zu nutzen, spreche für die eigene Intelligenz und lasse einen als Absender klüger wirken, ist also schlichtweg falsch.

Das Gegenteil ist richtig.

Das heißt leider auch: Menschen, die beim Schreiben unbewusst in starre Formulierungen verfallen, zum Beispiel weil sie glauben, Schriftsprache sei eben naturgemäß steifer, fallen einem fatalen Irrtum zum Opfer.

Daniel Oppenheimer fasst es sehr passend zusammen: „Eines scheint sicher zu sein: Schreibe so einfach und klar wie möglich und es ist wahrscheinlicher, dass du als intelligent angesehen wirst.“

Jetzt verwundert es Sie sicher nicht mehr, dass die Holprigkeit zu komplexer Texte dazu führt, dass der Verfasser negativer eingeschätzt wird. Eben insbesondere dann, wenn er unnötig komplex formuliert und mit vielen Fachbegriffen gespickt ist, wenn es nicht angebracht ist. Denn wer etwas verstanden hat, kann es in verständlichen Worten ausdrücken – und muss sich nicht hinter groß klingenden Wort-Ungetümen verstecken.

Auch Schreib-Experten empfehlen eingängige Sprache

Interessant ist dabei vor allem: Schreib-Experten plädieren einhellig für einfachere Sprache. Ein in Deutschland prominenter Vertreter ist der „Deutsche Sprachpapst“ Wolf Schneider. Er spricht sich immer wieder dafür aus, sich in verständlichen Worten auszudrücken. Klarheit, Einfachheit und Sparsamkeit sind die Ideale für bessere Texte.

Ich finde es nun extrem spannend, dass der Experten-Rat und die vorherrschende Meinung, wie man angeblich klüger wirkt, derart auseinander klaffen. Dabei ist mir das Phänomen bestens bekannt, denn ich habe früher im öffentlichen Dienst gearbeitet und regelmäßig Mails mit Endlossätzen und wohlklingenden Fremdwörtern aus dem Kollegenkreis (vor allem aber höheren Hierarchieebenen) erhalten.

Mehr zur Studie

Falls Sie sich für die gesamte Studie interessieren, finden Sie diese unter dem Titel „Consequences of Erudite Vernacular Utilized Irrespective of Necessity: Problems with Using Long Words Needlessly“.

Die Textbeispiele beinhalteten Bewerbungen an Graduiertenschulen, Abstracts zur Soziologie und Übersetzungen eines Werkes von Descartes. In den Experimenten 4 und 5 wurden übrigens die Schriftarten verändert. Auch hier zeigte sich, dass Schriften, die schwerer zu lesen sind, einen negativen Effekt haben.

Fazit

Seien wir ehrlich – Sie, genauso wie ich – wir alle haben schon mal die Komplexität unseres Wortschatzes bewusst erhöht, um klüger zu wirken. (Ja, ich gebe es zu: Meine Briefe an Behörden sind das komplette Gegenteil dessen, was ich als Texterin und Schreibtrainerin empfehle…)

Wenn es sich um eben solche Fälle handelt wie Behördenbriefe, dann ist das sicher in Ordnung. (Ja, auch ich glaube, dass mich der Sachbearbeiter dort nicht ernst genug nimmt, wenn ich einfach und verständlich schreibe.)

Nur: Wenn Sie bisher Schwierigkeiten haben, sich in kurzen und verständlichen Sätzen auszudrücken – oder bisher geglaubt haben, dass es Sie klüger wirken lässt oder dass Schriftsprache eben naturgemäß steifer ist – dann sollten Sie etwas dagegen tun.

Wie Sie bessere Texte schreiben

Wie das geht?

  1. Stöbern Sie in meinem Blog.
  2. Kommen Sie in eines meiner Seminare. (Im August bzw. September gebe ich ein kostenloses Webinar zu meinen fünf besten Tipps. Tragen Sie sich einfach für meinen Newsletter ein und Sie bleiben auf dem Laufenden! Sie finden die Box, wenn Sie weiter runter scrollen.)
  3. Schreiben, schreiben, schreiben, denn nur so werden Sie wirklich besser.

An dieser Stelle empfehle ich Ihnen meine folgenden Artikel:

Und wenn Sie dann überprüfen möchten, wie gut Ihr Text lesbar ist, können Sie online mithilfe des Flesch-Index überprüfen: Wie Sie in zwei Minuten wissen, wie gut Ihr Text ist. Ideal ist ein Wert zwischen 60 und 70. Darunter gilt der Text als schwierig zu lesen.

Machen Sie doch eine Übung regelmäßig im Alltag:  Lesen Sie Texte bewusst und achten Sie auf die Wirkung, die sie auf Sie haben! Welche Meinung haben Sie intuitiv vom Autor? Es ist spannend und wird Ihren Blick schärfen!