Schachtel­sätze – So sind sie endlich Geschichte

Wie Sie zu lange Sätze erkennen und vermeiden

Schachtel­sätze bzw. Bandwurmsätze gehören zu den größten Problemen meiner Seminar-Teilnehmer. Sind Sie auch ein Meister verschachtelter Konstruktionen? Ich erkläre Ihnen, wie Sie Schachtel­sätze erkennen und vermeiden. Und was Sie tun können, wenn Sie einen Schachtelsatz auflösen wollen. 

Was ist eigentlich ein Schachtelsatz?

Früher war es richtig, wenn wir sagten: Ein Satz, der über mehrere Zeilen geht. Aber spätestens seit Smartphones gehen Sätze auf kleinen Bildschirmen sehr schnell über mehrere Zeilen. Das allein ist also kein Indiz mehr.

Schachtel­sätze erkennen Sie auch daran, dass der Satz einen kompletten Absatz darstellt. Aber auch hier gilt heute eine Einschränkung für die mobile Ansicht: Texte werden oft „luftiger“ formuliert, damit sie auch auf kleinen Bildschirmen noch ansprechend aussehen und nicht wie eine „Bleiwüste“ daher kommen. In meinem Blog zum Beispiel sehen Sie das öfter.

Deutliche Anzeichen sind auch viele Kommata und viele „und“ oder andere verbindende Elemente.

Ein sehr offensichtliches Indiz ist die Anzahl der Worte. Ein idealer Satz hat 20 Wörter. (Das ist die Menge, die wir im Schnitt in einem Atemzug vorlesen können. Der Punkt am Satzende und das Luftholen sind beides kleine Gelegenheiten für das Gehirn, kurz durchzuatmen.) Je deutlicher die Wort-Anzahl darüber liegt, desto komplizierter wird das Lesen.

Damit haben Sie ein weiteres Merkmal: Wenn Sie den Satz laut vorlesen und mehrmals Luft holen müssen, lesen Sie wahrscheinlich gerade einen Bandwurmsatz vor.

Wie Sie Schachtel­sätze vermeiden

Beschränken Sie sich auf einen Gedanken pro Satz

Oft entstehen Bundwurm­sätze, weil es einfach so unglaublich viel zu sagen gibt. Ich kenne das – es ist alles wichtig und soll darum direkt gesagt bzw. geschrieben werden. Aber damit tun Sie sich keinen Gefallen, denn die Informationen überlagern sich gegenseitig.

Bringen Sie in jeden Satz nur einen einzigen essenziellen Gedanken.

Wie Sie wissen, ob er essenziell ist?

Fragen Sie sich, ob es schlimm ist, wenn Ihr Leser diese Info nicht behält.

Ja – sie haben Recht, wenn Sie jetzt denken, dass wir sowieso nicht alles aus einem Text behalten. Aber Sie verringern die Chancen drastisch, wenn Sie Sätze mit Aussagen überladen.

Schreiben Sie das Wichtigste in den Hauptsatz – verlegen Sie Erklärung in den Nebensatz

Die Essenz des Satzes gehört in den Hauptsatz. Herleitungen und Erklärungen dagegen in den Nebensatz. Im Idealfall steht der Nebensatz am Ende.

Wenn Sie den Nebensatz dagegen einschieben, wird das Erfassen der Hauptinformation sehr schwierig. Denn das unterbricht den Gedanken des Hauptsatzes und ist sehr anstrengend für das Gehirn, das sich die Informationen merken und zusammenzusetzen muss.

Nutzen Sie die Formel 13+7

13+7=20 – Sie wissen es schon: Das ist die ideale Länge eines Satzes! Teilen Sie Ihren Satz darum nach dieser Regel auf: Maximal 13 Wörter in den Hauptsatz und maximal sieben in den Nebensatz.

Natürlich müssen Sie nicht verzweifeln, wenn es mal fünf mehr werden. Aber ab 30 oder 35 Wörtern sollten Sie sich fragen, ob Sie nicht doch zu viele Informationen in den Satz gebracht haben.

Wie Sie Schachtel­sätze auflösen

Sie wollen Ihre bestehenden Texte von Bandwurm­sätzen befreien? Dann habe ich eine kleine Anleitung für Sie.

  • Schachtel­sätze identifizieren: Zählen Sie die Länge der Sätze. Welche haben deutlich mehr als 20 Wörter? Unterstreichen Sie die betreffenden Sätze.
  • Essenzielle Informationen bestimmen: Markieren Sie in jedem Satz die wichtigsten Gedanken farblich. So sehen Sie, wie viele sich darin verstecken.
  • Zusatzinformationen zuordnen: Schauen Sie, welche Nebeninformationen sich auf welchen Hauptgedanken beziehen. Markieren Sie auch das – mit Pfeilen, Kreuzchen, Rauten oder ähnlichem.
  • Gedanken optisch trennen: Separieren Sie die Informationen „ohne Rücksicht auf Verluste“. Das heißt: Machen Sie an der Stelle einfach eine Leerzeile, kopieren Sie die Informationen aus den Sätzen heraus und gruppieren Sie sie neu oder schreiben Sie sie neu auf. Sie werden sicher die Methode finden, die für Sie praktikabel ist.
  • Sätze logisch anordnen: Schauen Sie jetzt, dass die logische Reihenfolge weiterhin stimmt und ordnen Sie ggf. neu.
  • Neu formulieren: Fassen Sie die Gedanken jetzt wieder in ansprechende Sätze zusammen.

Ja, ich weiß, jetzt wird es kniffelig, für Varianz am Satzanfang zu sorgen. Denn sobald wir die Schachtel­sätze auseinandernehmen, müssen wir viele Einstiege ansprechend gestalten und Wortwiederholungen vermeiden. Ich bin da bei Ihnen, auch ich verbringe damit manchmal viel Zeit 🙂

Natürlich sollen Sie ab jetzt nicht nur noch Hauptsätze schreiben. Oder das klassische „Subjekt-Prädikat-Objekt“ fabrizieren. Um Himmels Willen, nein! Bloß nicht.

Es ist ja gerade die Abwechslung, die einen Text spannend macht. Kurze Sätze bringen Tempo. Lange Sätze wirken getragener. Variieren Sie, je nachdem für welchen Zweck Sie schreiben und welche Tonalität Sie Ihrem Text geben wollen.

Aber: Die Übung machts!

Ich zitiere an dieser Stelle sehr gern meinen Lieblingssatz des spanischen Journalisten Enrique Jardiel Poncela:

„Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer, es zu schreiben.“

Vorher und Nachher Beispiele für Schachtel­sätze

Ich habe zwei Beispiele für Sie, damit Sie sehen, wie verschachtelte Sätze mit vielen Informationen neu angeordnet werden können.

Vorher

Zum Jahresstart haben wir heute die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können, nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

(Quelle: Newsletter)

Nachher

Du hast einen Pro+ Account? Dann kannst du ab heute die Layouts deiner Dokumente per eigenem CSS individualisieren. Zum Jahresstart hatten wir die Funktion im letzten Newsletter bereits angekündigt. Nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts ist sie nun für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

[Anmerkung: Ich habe die Fettungen bewusst weggelassen. Denn im Vorher-Beispiel waren die essenziellen Infos gefettet, damit sie auffallen. Da sie jetzt auf einzelne Sätze aufgeteilt sind, gehen sie nicht mehr unter.]

Vorher

„The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life“ lautet das Buch des Stanford Professors Bernard Roth, in welchem er auf faszinierend simple Weise verrät, wie Sie Ihr komplexes Gehirn manipulieren und durch eine neue Art zu denken erfolgreicher werden können.

(Quelle: https://arbeits-abc.de/2-woerter-aus-wortschatz-streichen)

Nachher

„The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life“ – so heißt das Buch des Stanford Professors Bernard Roth. Darin verrät er auf faszinierend simple Weise, wie Sie Ihr komplexes Gehirn manipulieren und durch eine neue Art zu denken erfolgreicher werden können.

[Anmerkung: Ich finde die Informationen ein bisschen reißerisch formuliert („faszinierend simpel“, „manipulieren“) und würde noch einiges ändern – aber es geht mir hier darum, Ihnen zu zeigen, wie einfach es sein kann, Schachtel­sätze zu kürzen.]

Bleiben Sie dran

Wie gesagt: Ich weiß, dass es ganz schön aufwendig sein kann, bestehende Schachtelsätze neu zu formulieren. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Auch hier trifft das Sprichwort zu „Übung macht den Meister“.

Die Arbeit lohnt sich, denn verständliche Texte, die flüssig zu lesen sind, machen Sie tatsächlich erfolgreicher.

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