So sind Schachtel­sätze in Ihren Website-Texten endlich Geschichte

Wie Sie zu lange Sätze erkennen und vermeiden

Schachtel­sätze bzw. Bandwurmsätze machen Ihren Website-Besuchern das Leben ganz schön schwer. Oder eher das Lesen. Aber auch Sie selbst tun sich damit keinen Gefallen, denn oft vergessen wir als Leser die vielen Infos aus Bandwurmsätzen sofort wieder. Woran Sie einen Schachtelsatz erkennen, auflösen  und künftig vermeiden.

Lassen Sie uns doch direkt mit der Frage starten: Was ist eigentlich ein Schachtelsatz? Woran erkennen wir ihn?

Vor der Zeit von Smartphones war das recht schnell beantwortet:

Ein Satz, der über mehrere Zeilen geht.

Aber – Sie wissen es selbst – spätestens seit kleinen Bildschirmen gehen Sätze sehr schnell über mehrere Zeilen. Das allein ist also kein Indiz mehr.

Mobil erkennen Sie Bandwurmsätze am ehesten daran, dass der Satz einen kompletten Absatz darstellt.

Hier ein wunderbares Beispiel aus dem Newsletter einer Software-Firma:

Zum Jahresstart haben wir heute die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können, nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

Das deutliche Anzeichen, dass Sie es mit einem Bandwurmsatz zu tun haben

Ein idealer Satz hat maximal 20 Wörter. (Das ist die Menge, die wir im Schnitt in einem Atemzug vorlesen können. Der Punkt am Satzende und das Luftholen sind beides kleine Gelegenheiten für das Gehirn, kurz durchzuatmen.)

Je deutlicher die Wort-Anzahl darüber liegt, desto komplizierter wird das Lesen. Und desto verschachtelter ist er meist.

Um absolut sicher zu sein, lesen Sie den Satz einfach laut vor. Wenn Sie dabei mehrmals Luft holen müssen, lesen Sie wahrscheinlich gerade einen Bandwurmsatz vor.

Wie Sie Schachtel­sätze auflösen

Alright, Sie haben in Ihrem Website-Text einen Bandwurmsatz aufgetan. Sie zu erkennen ist der erste wichtige Schritt.

Jetzt gilt es, sie zu entwirren.

Und so geht’s:

  1. Schachtelsätze farblich markieren
  2. Essentielle Information bestimmen
  3. Zusatzinformationen zuordnen
  4. Gedanken optisch voneinander trennen
  5. Inhalte neu anordnen
  6. Neu formulieren

Natürlich lasse ich Sie mit diesen spärlichen Infos nicht in der Luft hängen. Das war die Übersicht – lassen Sie uns in die Details gehen

1. Schachtelsätze farblich markieren

Nachdem Sie einen Bandwurmsatz identifiziert haben, empfehle ich, diese hervorzuheben. Für den Fall, dass Sie mehr als einen erkennen, bleibt es so übersichtlich.

2. Essentielle Information bestimmen

„Essentielle Informationen“ – was meine ich damit?

Essentielle Informationen sind diejenigen Gedanken, die Sie Ihrem Leser in jedem Fall vermitteln wollen.

Fragen Sie sich, ob es schlimm ist, wenn Ihr Leser diese Info nicht im Kopf behält.

Wenn es gravierend ist, wenn er die Info überliest, haben Sie es mit einer essentiellen Information zu tun.

Es ist schwierig, hier pauschale Aussagen zu bringen. Denn was das Wichtigste ist, das wissen alleine Sie als Verfasser des Textes.

Für unser obiges Beispiel kann ich es Ihnen zeigen:

Zum Jahresstart haben wir heute die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können, nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

Für die Übersicht empfehle ich Ihnen, auch diese zu markieren, zum Beispiel zu unterstreichen. Denn so erkennen Sie direkt, wie viele sich im Satz befinden.

3. Nebensächliche Informationen zuordnen

Ja, so wie es essentielle Information gibt, gibt es zusätzliche bzw. nebensächliche.

Nicht immer sind sie wirklich relevant für den Leser (und können somit rausgekürzt werden).

Markieren Sie auch diese – zum Beispiel mit Wellenlinien. (Da uns diese Formatierung gerade nicht zur Verfügung steht, unterstreiche ich sie:

Zum Jahresstart haben wir heute die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiert werden können, nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

4. Gedanken optisch voneinander trennen

Separieren Sie jetzt die Informationen „ohne Rücksicht auf Verluste“.

Das heißt: Lösen Sie den Satz auf in Stichpunkte.

Und so kann das aussehen:

  • Zum Jahresstart haben wir heute
  • die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiertwerden können,
  • nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts
  • für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

Unterstrichen sind jeweils die wichtigen Infos.

5. Inhalte neu anordnen

Oft ist es so, dass jeder einzelne Stichpunkt ein neuer Satz werden kann.

Schauen Sie nun, dass die logische Reihenfolge weiterhin stimmt und ordnen Sie ggf. neu.

Achten Sie vor allem auf eines: Die Wichtigkeit der Informationen. In unserem Fall ist einer von vier Punkten nicht relevant. Diesen packen wir ans Ende, damit der Leser sofort erkennt, was wichtig ist.

Unsere neue Anordnung:

  • Zum Jahresstart haben wir heute
  • die im letzten Newsletter angekündigte Funktion, mit der die Layouts der Dokumente per eigenem CSS individualisiertwerden können,
  • für alle PRO+ Accounts freigeschaltet
  • nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts

6. Neu formulieren

Fassen Sie die Gedanken jetzt wieder in Sätze zusammen.

Ja, ich weiß, jetzt wird es kniffelig, für Varianz am Satzanfang zu sorgen.

Denn sobald wir die Schachtel­sätze auseinandernehmen, müssen wir viele Einstiege ansprechend gestalten und Wortwiederholungen vermeiden. (Ich bin da bei Ihnen, auch ich verbringe damit manchmal viel Zeit 🙂)

Ich zitiere an dieser Stelle sehr gern meinen Lieblingssatz des spanischen Journalisten Enrique Jardiel Poncela:

„Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer, es zu schreiben.“

Und hier kommt das Nachher-Version unseres Beispiels:

Du hast einen Pro+ Account? Dann kannst du ab heute die Layouts deiner Dokumente per eigenem CSS individualisieren. Zum Jahresstart hatten wir die Funktion im letzten Newsletter bereits angekündigt. Nach einer erfolgreichen ersten BETA-Phase in den TEAM- und BUSINESS-Accounts ist sie nun für alle PRO+ Accounts freigeschaltet.

Ich habe die Fettungen bewusst weggelassen. Denn im Vorher-Beispiel waren die essenziellen Infos gefettet, damit sie auffallen. Da sie jetzt auf einzelne Sätze aufgeteilt sind, gehen sie nicht mehr unter.

Und ja, ich habe den Leser bewusst angesprochen. Denn damit klingt das Ganze lockerer und weniger steif.

Mehr dazu:

Wie Sie Schachtel­sätze künftig vermeiden

Das war die Anleitung für Ihre bestehenden Website-Texte. Lassen Sie uns jetzt anschauen, wie wir sie ganz vermeiden.

1. Beschränken Sie sich auf einen Gedanken pro Satz

Oft entstehen Bundwurm­sätze, weil es einfach so unglaublich viel zu sagen gibt. Ich kenne das – es ist alles wichtig und soll darum direkt gesagt bzw. geschrieben werden.

Aber damit tun Sie sich keinen Gefallen, denn die Informationen überlagern sich gegenseitig.

Bringen Sie in jeden Satz nur einen einzigen essenziellen Gedanken. Was das ist, das wissen Sie ja jetzt.

Ich empfehle Ihnen, sich vor dem Schreiben ein paar Notizen zu machen, welche die Kernaussagen sind.

2. Schreiben Sie das Wichtigste in den Hauptsatz – verlegen Sie Erklärung in den Nebensatz

Die Essenz des Satzes gehört in den Hauptsatz. Herleitungen und Erklärungen dagegen in den Nebensatz. Im Idealfall steht der Nebensatz am Ende.

Wenn Sie den Nebensatz dagegen einschieben, wird das Erfassen der Hauptinformation sehr schwierig. Denn das unterbricht den Gedanken des Hauptsatzes und ist sehr anstrengend für das Gehirn, das sich die Informationen merken und zusammenzusetzen muss.

Und am letzten Satz sehen Sie, was ich meine:

Denn das unterbricht den Gedanken des Hauptsatzes und ist sehr anstrengend für das Gehirn, das sich die Informationen merken und zusammenzusetzen muss.

  • Hauptsatz: Denn das unterbricht den Gedanken des Hauptsatzes und ist sehr anstrengend für das Gehirn (Hauptinformation)
  • Nebensatz: das sich die Informationen merken und zusammenzusetzen muss. (Zusatzinformation)

3. Nutzen Sie die Formel „13+7“

13+7=20 – Sie wissen es schon: Das ist die ideale Länge eines Satzes.

13+7 bedeutet: Maximal 13 Wörter in den Hauptsatz und maximal sieben in den Nebensatz.

Natürlich müssen Sie nicht verzweifeln, wenn es mal ein paar mehr werden. (Im Beispiel gerade sind es 14 und 8 Wörter.)

Aber ab insgesamt 30 oder 35 Wörtern in einem Satz sollten Sie sich fragen, ob Sie nicht doch zu viele Informationen in den Satz gebracht haben.

Noch ein Beispiel

Sie wissen jetzt, wie Sie es mit Schachtelsätzen in Ihren Website-Texten aufnehmen.

Jetzt heißt es: Üben, üben, üben.

Und nicht verzweifeln, wenn es Ihnen nicht gleich gelingen will.

Hier kommt noch ein Beispiel, das Ihnen den Unterschied zeigt

Vorher

„The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life“ lautet das Buch des Stanford Professors Bernard Roth, in welchem er auf faszinierend simple Weise verrät, wie Sie Ihr komplexes Gehirn manipulieren und durch eine neue Art zu denken erfolgreicher werden können.

(45 Wörter)

(Quelle: //arbeits-abc.de/2-woerter-aus-wortschatz-streichen)

Nachher

„The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life“ – so heißt das Buch des Stanford Professors Bernard Roth. Darin verrät er auf faszinierend simple Weise, wie Sie Ihr komplexes Gehirn manipulieren und durch eine neue Art zu denken erfolgreicher werden können.

(22 und 23 Wörter)

Und auch hier eine Anmerkung:

Ich persönlich finde die Informationen zu reißerisch formuliert. „Faszinierend simpel“ und „manipulieren“ sind keine Wörter, die ich nutze …

Ich würde auch noch weitere Sachen ändern – aber es geht mir hier darum, Ihnen zu zeigen, wie einfach es sein kann, Schachtel­sätze zu kürzen.

Noch mehr Tipps für gute Website-Texte

Schachtelsätze zu vermeiden ist natürlich nur einer von vielen Wegen, um gute Website-Texte zu schreiben.

In folgenden Artikeln aus meinem Blog finden Sie viele hilfreiche Tipps, um Ihre Texte aufzupolieren:

Warum es nur der erste Schritt ist, dass Ihre Texte gut klingen und verständlich sind

Dass Ihre Website-Texte „gut klingen“ ist vergleichbar mit dem Putz an der Fassade Ihres Hauses.

Lassen Sie mich hier ein Beispiel anbringen: Sie kennen sicher die Fassaden aus Filmen bzw. Serien, die nur Kulisse sind. Und nur von vorne echt aussehen, aber sobald man durch die Tür geht, man im Nichts steht.

Genau das ist Ihre Website, wenn Sie sich nur darauf konzentrieren, wie Ihre Texte „klingen“.

Mehr dazu: Website-Texte müssen schön klingen? Unsinn.

Um Besucher in Interessenten und Kunden zu verwandeln, gehört noch einiges mehr, wie zum Beispiel:

  • Die richtigen Inhalte auf der Startseite – in der richtigen Reihenfolge
  • Eine Über-mich-Seite, die mehr zeigt als Ihren Lebenslauf

Lesen Sie hier mehr dazu:

Was Sie jetzt tun können