Keiner liest, was ich schreibe!

Drei Gründe, woran es liegt und drei Tipps, was Sie tun können

„Niemand liest, was ich schreibe!“ Kommt Ihnen diese Aussage bekannt vor? Damit sind Sie nicht alleine, denn sehr vielen Menschen geht es so. Die gute Nachricht ist: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es Ihre Zielkunden interessiert, was Sie zu sagen haben. Erfahren Sie, woran es liegt, dass offenbar keiner liest, was Sie schreiben und wie Sie es ab jetzt besser machen.

Da haben Sie sich ewig abgemüht, um etwas für Ihr Unternehmen zu schreiben, sei es ein Mailing, Blogartikel oder Flyer. Haben kostbare Zeit und Nerven investiert.

Nur um wieder festzustellen: Niemand liest, was ich schreibe.

Sie sind einfach nur noch frustriert. Genervt. Demotiviert.

Ob Sie es glauben oder nicht: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ihre Zielkunden eigentlich ziemlich interessiert daran wären, was Sie zu sagen haben.

Was allerdings leider auch wahrscheinlich ist: Sie schreiben möglicherweise bisher unbewusst so, dass es keiner lesen möchte. Bevor Sie völlig von der Rolle sind wegen dieser Aussage: Das ist nicht Ihre Schuld!

Das Problem: „Für Menschen schreiben“ stand nie auf dem Lehrplan

Damit stehen Sie nicht alleine da – so wie Ihnen geht es vielen Menschen. Es ist das Schicksal der meisten Texte, nicht gelesen zu werden.

Nochmals: Dafür können Sie nichts! Denn in der Schule wird nicht gelehrt, für Menschen, geschweige denn für Kunden zu schreiben!

Was uns unsere Deutschlehrer beigebracht haben, ist der richtige Aufbau eines Aufsatzes mit korrekter Grammatik. Nur: Ein Aufsatz, der Ihren Deutschlehrer in Glückszustände versetzt hätte, ist das komplette Gegenteil dessen, was Ihre Kunden hinterm Ofen hervorlockt!

Es ist also völlig normal, dass es Ihnen bisher schwer fällt, so zu schreiben, dass Ihre Zielgruppe auf Sie aufmerksam wird und potentielle Kunden überzeugt werden!

Ihr potentieller Leser ist von der Informationsflut erfasst worden

Wie ich bereits gesagt habe: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ihre Leser zumindest die Überschrift überflogen oder Ihren Text angelesen haben. Das heißt: Ein bisschen Interesse war da. Die Betonung liegt auf WAR.

Sie haben es wahrscheinlich schon oft gelesen: Heute prasseln so unendlich viele Informationen auf uns ein, dass es schwierig ist zu filtern, was wirklich relevant für uns ist. Wenn wir nicht sofort erkennen, ob ein Artikel, eine Mail oder ein Flyer wichtig für uns ist, schenken wir dem Ganzen keine Aufmerksamkeit.

Es gibt verschiedene Ursachen, die dazu führen, dass Ihre Zielkunden nicht sehen, dass Ihr Angebot im Grunde sehr interessant wäre. Ich zeige Ihnen die drei wichtigsten und erkläre Ihnen, was Sie künftig tun können, damit sich die Mühe des Schreibens lohnt und Ihre Zielkunden lesen, was Sie zu sagen haben!

Grund 1: Sie haben „ins Blaue“ geschrieben.

Sehr oft frage ich mich bei Texten, die ich lese: „Was will dieser Text?“

Es wird einfach nicht klar, wer die Zielgruppe und was die Kernaussage ist. Wenn ich den Text dann durchgelesen habe, frage ich mich, was eigentlich das Ziel war. Was der Absender erreichen wollte. Warum er das geschrieben hat?

An dieser Stelle merke ich dann spätestens, dass der Absender keinen „Fahrplan“ im Kopf hatte. (Wie gesagt – das ist überhaupt nicht schlimm. Woher er wissen, dass er einen benötigt, wenn es in der Schule nicht vermittelt wird?)

Beim Schreiben ohne Fahrplan fehlt der rote Faden, die klare Linie. Wenn Sie vorher nicht klar festgelegt haben, was die zentrale Botschaft ist – wie soll der Leser sie dann entdecken – und merken, dass dieser Text interessant für ihn ist und weiterlesen?

Ebenso verhält es sich mit dem Ziel des Textes: Nehmen wir an, Ihr Leser hatte wirklich Interesse an Ihrem Thema und hat Ihren Artikel bis zum Ende gelesen – sich aber dann gefragt, was er jetzt eigentlich tun soll oder kann, um mehr zu erfahren oder wie er Sie erreicht.

Wenn Sie nicht wissen, was Sie mit dem Text erreichen wollen und klar vor Augen haben, welche Aktion Sie seitens des Lesers erzielen wollen – woher soll es der Leser erahnen?

Lassen Sie mich zusammenfassen: Sie DENKEN, der Text wurde nicht gelesen – in Wirklichkeit wurde er das. Nur wusste der Leser dann nicht weiter. Sie schreiben ja nicht um das Papier auf dem es steht, zu dekorieren! Sie schreiben, weil Sie etwas zu sagen haben oder wollen, dass Ihr Kunde etwas tut (oder nicht tut). Wenn Sie allerdings nicht wissen, was Sie von wem und warum wollen – wie soll es dann Ihr Kunde wissen? In diesem Fall verlieren Sie ihn an eine unstrukturierte Wortschwemme.

Grund 2: Sie haben die tatsächlichen Interessen Ihrer Leser nicht bedient.

Sagen wir, Sie hatten einen guten Fahrplan im Kopf und sind einem roten Faden gefolgt. Sie wussten genau, was Sie erreichen wollen und wen. Leider gibt es auch dann noch Stolperfallen.

Die Überschrift war für ihn nicht attraktiv genug

Denken Sie an die Informationsflut und Ihren Zielkunden, der innerhalb von Millisekunden entscheidet, was relevant ist und was nicht. Wenn die Überschrift des Artikels oder der Betreff des Mailings nicht  deutlich sagt, was der Inhalt zu bieten hat, verlieren Sie den potentiellen Leser direkt wieder.

Die Überschrift ist der Türsteher Ihres Textes. Sie entscheidet zu 80 Prozent, ob er gelesen wird – oder eben nicht. Gut möglich, dass Sie hier eigentlich eine Aussage positioniert haben, die aus Ihrer Sicht das allerwichtigste ist. Wenn das allerdings für den Leser nicht attraktiv war (weil es für ihn nicht wichtig war), macht der Türsteher den Eingang zu Ihrem Text nicht frei. Und zack – sind die Millisekunden vorbei und Ihr Zielkunde hat sich gegen die Lektüre entschieden.

Die Überschrift muss ein Versprechen sein oder sein Problem glasklar umreißen.   

Zum Thema Überschriften und Betreff texten ließen sich ganze Bücher schreiben. Belassen wir es an dieser Stelle aber bei diesen grundlegenden Informationen. (Diese Bücher gibt es auch bereits, wie zum Beispiel von begnadeten Werbetextern wie David Ogilvy.)

Ihr Einstieg überzeugt nicht

Sie haben es geschafft: Die Überschrift hat überzeugt. Nun sucht Ihr Leser nach Beweisen, dass es sich lohnt, die Zeit in Ihren Text zu investieren. Sie haben vielleicht schon mal gehört, dass der erste Satz der wichtigste ist und jeder Satz die Aufgabe hat, dass der nächste gelesen wird.

Und dem ist so: Ihr Leser muss direkt merken, dass Sie ihm helfen können, dass er etwas Neues oder Wichtiges erfährt, das er bisher noch nicht wusste.

Welchen Grund gibt es, etwas zu lesen, das wir schon wissen oder uns nicht direkt berührt, wenn wir wenig Zeit haben und streng selektieren, wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken und wo nicht?

Viele Texte, egal ob Flyer, Artikel, Websites (ja, sogar Zeitungsartikel von professionellen Redakteuren) beginnen mit Informationen, die längst bekannt sind oder wiederholen etwas, das jeder weiß und keinen anspricht. (Binsenweisheiten sind auch unglaublich beliebt.)

Sie haben den Nutzen nicht in den Vordergrund gestellt

Sagen wir, die Überschrift oder der Betreff haben den Leser neugierig gemacht und der Einstieg hat ihn überzeugt. Wenn er aber im Text nicht deutlich sieht, was Ihr Angebot Gutes für ihn tut, ist er noch nicht überzeugt.

Sie denken sich jetzt vielleicht: „Aber ich habe doch deutlich gesagt, welche tollen Funktionen mein Angebot hat und welche neuen Technologien ich nutze!“ Einen Teil Ihrer Leser haben Sie damit womöglich überzeugt, nämlich die, die auf Zahlen und Faken setzen (die Psychologie würde sagen die „blauen“ Persönlichkeitstypen). Aber den Rest Ihrer Leser (die roten, gelben und grünen Typen) haben Sie damit noch nicht gewonnen.

Grund 3: Ihr Text war missverständlich.

Nehmen wir an, Sie haben einen spannenden Betreff gewählt,  wissen, was Sie erreichen wollen und alle notwendigen Informationen untergebracht.

Möglicherweise haben Sie Ihren Text aber nicht klar und präzise genug formuliert. Ihr Leser stolpert, weil er sich fragt, wie Sie das gemeint haben könnten, muss den Satz nochmal lesen und nochmal … und hat keine Lust mehr.

Oder Sie lassen zu viel Interpretationsspielraum. So dass Ihr Leser eine Information überhaupt nicht versteht – oder  ganz anders, als Sie es gemeint haben. So tut er etwas völlig anderes, als Sie beabsichtigt haben – oder gar nichts.

Hier lauert eine richtig fiese Stolperfalle: Viele glauben in diesem Fall nämlich, die Leute könnten einfach nicht lesen.

Ich warne Sie eindrücklich vor dieser Schlussfolgerung!

Mehr dazu auch in meinem Artikel „Warum die Leute nicht zu doof sind zum Lesen“

Wenn Ihr Angebot gut ist, interessiert es Ihre Zielkunden, was Sie schreiben!

Sie haben nun einige Gründe erfahren, woran es liegen kann, dass Ihr Leser scheinbar kein Interesse hat und warum offensichtlich keiner liest, was Sie schreiben.

Nochmals: Lassen Sie sich nicht entmutigen! Wenn Ihr Angebot gut ist und Ihre bestehenden Kunden Ihnen das bestätigen, interessiert es die Menschen da draußen, was Sie zu sagen haben. Und sie werden es lesen, wenn sie zur Zielgruppe gehören!

Lesen Sie nun drei Tipps, wie sie das erreichen.

Tipp 1: Erstellen Sie ein Text-Konzept!

Stellen Sie sich das Schreiben vor wie ein Haus bauen: Wenn das Fundament nicht solide ist, wird der Rest nicht stabil.

Das Fundament Ihres Textes ist das Konzept.

Schreiben Sie nicht einfach drauf los! Nehmen Sie sich die Zeit für grundlegende Fragen!

Mit den folgenden Fragen werden Sie sich klarer darüber, was Sie eigentlich erreichen wollen. Notieren Sie sich die Antworten! So können Sie am Ende abgleichen, ob Ihr Text wirklich zu Ihrem ursprünglichen Konzept passt. Und auch im Schreibprozess können Sie Fragen und Unsicherheiten ausräumen, wenn Sie sich darauf besinnen, warum Sie schreiben, was Sie schreiben.

  1. Wissen Sie, wen Sie erreichen wollen?
  • z.B.:
    • Interessenten
    • Neukunden
    • Bestandskunden
  1. Wissen Sie, was Sie sagen wollen? Was ist die Kernaussage Ihres Textes?
  2. Wissen Sie, in welchem Kontext der Text erscheint?
    • Erscheint der Text gedruckt (z.B. als Imagebroschüre oder Werbebrief) oder auf Ihrer Website (z.B. als Blogartikel)?
    • Welchen Wissensstand hat Ihr Kunde zu Ihrem Thema / dem Produkt?
      • Ist diese Information komplett neu für ihn?
      • Hat er schon einmal etwas davon gehört?
      • Hat er vielleicht schon einmal Interesse daran geäußert?
  1. Wissen Sie, was Sie erreichen wollen?
    • Wollen Sie Ihren Kunden einfach nur informieren?
    • Soll der Kunde die Information auch verbreiten (multiplizieren)?
    • Wollen Sie Ihren Kunden von einer Option überzeugen?
    • Soll der Kunde etwas kaufen?

Noch mehr dazu: Wie Ihre Texte mit einem guten Konzept besser werden

Tipp 2: Stellen Sie die wichtigsten Punkte an den Anfang!

Stellen Sie sich vor, Ihr Text ist eine umgedrehte Pyramide: Das, was das meiste Gewicht für den Leser hat, kommt an den Anfang. Je weniger relevant die Informationen für den Leser sind, desto weiter unten im Text sollten sie stehen.

Ihr Leser soll schließlich sehen, dass sich die Zeit lohnt, die er in Ihren Text investiert.

Fragen Sie sich: Was könnte wichtig sein für meinen Leser?

Wichtig kann sein:

  • Neues
  • Spannendes
  • Überraschendes
  • Etwas, das Ihn betroffen macht

Wenn Sie sich fragen: „Was ist wichtig für meinen Leser?“, gehen Sie auf Erkundungstour und beleuchten Sie Ihre Zielgruppe noch einmal etwas genauer. Sie können dazu in drei Schritten vorgehen, die Sie wie ein Kompass zur Antwort führen. Diese Methode finden Sie in meinem Artikel: „Was Ihre Leser wirklich interessiert“

Ein Beispiel für einen spannenden Einstieg aus dem Alltag

Hier ein Beispiel für einen Einstieg, der mit etwas Neuem beginnt (gefunden auf chip.de):

Nie wieder „einen Moment, bitte“: Aldi schmeißt Brotautomaten aus Filialen

Der Discounterriese macht ernst: Noch in diesem Jahr schmeißt Aldi Süd seine Brotback-Automaten aus den Filialen. Kunden sollen fortan „Meine Backwelt“ bei Aldi finden. Das Konzept hat sich Aldi von Lidl, Netto und Penny abgeschaut.

Seit 2009 können Aldi-Kunden Brot, Brötchen, Pizza und Croissants per Tastendruck am Automaten holen. Die Kunden drücken auf die Taste und eine Frauenstimme sagt: „Einen Moment, bitte“. Innerhalb von wenigen Sekunden landet die Bestellung im Verkaufsfach. Doch damit ist nun Schluss.

Die Überschrift ist toll, denn sie sagt sofort, dass es hier etwas Neues gibt. Der erste Absatz (der Anreißer oder Teaser) beantwortet direkt wichtige „W-Fragen“: Wer, was, wann, wie.

Ein Kritikpunkt: Die ersten drei Sätze des nächsten Absatzes sind alle nichts Neues, nichts Spannendes, nichts Überraschendes. Hier wären andere Informationen, die die Spannung weiter halten, schön gewesen. Zum Beispiel, warum sich Aldi für diesen Schritt entschieden hat, oder wie das neue Konzept aussieht. (Wahrscheinlich wollte der Autor aber die Spannung halten und die Leser „zwingen“, den ganzen Text zu lesen.)

Tipp 3: Überprüfen Sie den Text nach dem Schreiben!

Lassen Sie den Text liegen – mindestens einen halben Tag, besser eine Nacht, am besten eine Woche.

Lesen Sie Ihn noch einmal – und das am besten laut.

Beachten Sie den gegebenen Kontext und sein Vorwissen. (Nehmen Sie sich Ihr Konzept zur Hand, um noch einmal abzugleichen, was Sie erreichen wollen.)

Fragen Sie sich dabei: Versteht mein Kunde das, was ich geschrieben habe?

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen stolpern, etwas zwei Mal lesen müssen oder einen Gedankensprung feststellen, markieren Sie diese Stelle. Ihr Leser wird sehr wahrscheinlich an diesen Stellen auch hängen bleiben. Wenn er nachdenken muss, um Informationen zu verstehen, fängt er an zu stolpern. Und je öfter er stolpert, desto mehr sinkt die Motivation zu lesen, was Sie geschrieben haben.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Haben Sie Ihre Botschaften so formuliert, dass der Kunde direkt versteht, was Sie sagen wollen? Und zwar ein-eindeutig und unmissverständlich?
  • Haben Sie es dem Leser so einfach wie möglich gemacht, alle Informationen sofort zu erfassen?
  • Haben Sie alle Informationssackgassen entfernt?
    • Informationssackgassen sind Informationen ohne Hilfestellung, wie es weitergeht, wie
      • „Die Bestellung erfolgt über unser Onlineformular.“ (ohne Link zum Formular)
      • „Weitere Fragen beantwortet Ihnen unsere Supporthotline.“ (ohne Link zur Hotline)
    • Sagen Sie immer, wie es vom aktuellen Punkt aus weitergehen kann!
    • Mehr dazu in meinem Text: „Danke für nichts“
  • Können Sie den Text lesen, ohne zu stolpern?
  • Sind die Übergänge schlüssig und flüssig?

Noch mehr Tipps: Eine kleine Anleitung für gute Texte

Üben, üben, üben – und zuversichtlich bleiben

Sie wissen jetzt, woran es liegen kann, dass vermeintlich niemand liest, was Sie schreiben oder es keinen interessiert, was Sie zu sagen haben.

Mit meinen drei Tipps können Sie den nächsten Text angehen oder einen bestehenden überarbeiten. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es nicht gleich gelingen will. Nutzen Sie jede Gelegenheit und haben Sie keine Angst vermeintliche „Fehler“ zu machen.

 Nur wer nichts tut, macht nichts verkehrt!