Wie Sie sich beim Schreiben kurzhalten

Schluss mit zu langen Texten und Endlos-Sätzen

Haben Sie das Gefühl, Ihre Texte sind oft viel zu langatmig? Oder sind ellenlange Sätze Ihr „Spezialgebiet“? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Sich kürzer auszudrücken ist eines der häufigsten Ziele der Teilnehmer meiner Schreibtrainings. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie sich ab jetzt kürzer fassen – auch wenn Sie viel zu sagen haben.

Schauen wir uns die zwei Herausforderungen der Reihe nach an …

Problem 1: Zu lange Sätze

Sie müssen oder wollen viele Informationen unterbringen – und das am besten in einem einzigen Satz.

Dass ein Satz nicht einen kompletten Absatz lang sein sollte, das ist Ihnen schon klar…. Und dass so viele Kommata nicht gesund sein können, auch. Aber da kommt schon die erste Frage:

Zu lange Sätze – wie lang ist eigentlich zu lang?

Um es kurz zu machen: Ein idealer Satz hat 20 Wörter. So viel können wir im Durchschnitt in einem Atemzug vorlesen. Für das Gehirn sind der Punkt am Satzende und das Luftholen ideale Zeitpunkte, kurz durchzuatmen.

Sie sollen natürlich nicht verzweifeln, nur weil Ihr Satz mal aus 21 Wörtern besteht. Aber: Je deutlicher die Wort-Anzahl über der magischen 20 liegt, desto komplizierter wird er.

Was Sie bei zu langen Sätzen tun können

Hier meine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Identifizieren Sie die Kerninformationen: Markieren Sie die wichtigsten Gedanken im Satz. So sehen Sie, wie viele Kernaussagen sich darin befinden.

Zusätzliche Informationen zuordnen: Schauen Sie, welche Informationen sich zur Erklärung oder Herleitung im Satz verstecken. Und finden Sie heraus, welche Aussagen sich auf welche Kerninformationen beziehen. Markieren Sie auch das. (Ich empfehle Ihnen, den Text auszudrucken und mit graphischen Elementen zu arbeiten – das ist übersichtlicher und sortiert den „Wust“ im Kopf.)

Gedanken optisch trennen: Separieren Sie die Informationen „ohne Rücksicht auf Verluste“. Das heißt: Fügen Sie zwischen den Gedanken eine Leerzeile ein, kopieren Sie die Informationen aus den Sätzen heraus und gruppieren Sie sie neu oder schreiben Sie sie neu auf. Hier  geht es darum, einen Überblick zu bekommen. Sie werden sicher die Methode finden, die für Sie praktikabel ist.

Sätze logisch anordnen: Schauen Sie jetzt, dass die logische Reihenfolge weiterhin stimmt und ordnen Sie die Informationen ggf. neu.

Neu formulieren: Fassen Sie die Gedanken jetzt wieder in ansprechenden Sätze zusammen.

Puh – klingt das ein bisschen kompliziert? Ich fühle mit Ihnen. Aber: Probieren Sie es mal aus. Ich gehe exakt so vor, wenn ich fremde Texte überarbeite. Und es funktioniert. Sehr, sehr gut.

(Wenn Sie da allein nicht durchwollen kommen Sie in meinen Online-Workshop „In 6 Stunden zu Marketing-Texten, die Ihre Leser fesseln“. Hier arbeiten Sie mit mir in einem kleinen Grüppchen von nur sieben Teilnehmern an Ihrem Text (z.B. Blogartikel, Newsletter, Website-Text). Und ich sage Ihnen – hier haben wir schon so einige Bandwurmsätze entwirrt 😉)

Sie wollen zu lange Sätze gänzlich vermeiden? Mehr dazu lesen Sie meinem Artikel Schachtelsätze – So sind sie endlich Geschichte

Noch mehr dazu:

Schreibe kurz und Sie werden dich lesen

So kommen Sie auf den Punkt

Problem 2: Ihr Text ist viel zu lang

Für die ideale Länge eines Textes kann ich Ihnen leider keine Formel nennen.

Aber: Zu lang ist auch ein Gefühl. Nämlich die leise Vermutung, dass das alles den Leser gar nicht interessieren könnte.

(An dieser Stelle hätte ich gern, dass Sie sich einmal gedanklich auf die Schulter klopfen. Denn allein dieses Bewusstsein ist ein großer Schritt in Richtung besserer Texte. Es gibt nämlich viele Menschen, die sich gar keine Gedanken darüber machen, ob das,was Sie schreiben, den Leser interessiert. (Und ich weiß das, denn ich habe im öffentlichen Dienst gearbeitet…))

Wie Sie zu lange Texte kürzen

Wenn Sie zu lange Texte kürzen wollen, müssen Sie natürlich erst einmal entscheiden, was Sie streichen können. Was raus kann? Dafür sind Sie der Experte!

Mit den folgenden Fragen finden Sie heraus, welche Informationen überflüssig sind:

  • Für wen schreibe ich diesen Text? Wer soll das eigentlich lesen?
  • Was will ich eigentlich sagen?
  • Was will ich mit dem Text erreichen?

Hier empfehle ich Ihnen, sich Stift und Zettel zur Hand zu nehmen. Und sich die Antworten auf diese Fragen zu notieren. Was dann am Ende rauskommt, nenne ich „Textkonzept“. Es ist die Grundlage für den roten Faden Ihres Textes. Und das macht Ihnen bewusst, warum Sie diesen Text schreiben und wo Sie hin wollen. Automatisch wird Ihnen dann klar, welche Informationen nötig bzw unnötig sind dafür.

Mehr zu diesen Fragen finden Sie hier:

Und an dieser Stelle ein Rat: Schreiben Sie keinen Text mehr ohne ein Textkonzept. (Es sei denn, Sie wollen mit Ihren Texten lediglich das Papier dekorieren… Und davon gehe ich nicht aus ;-))

Die Fragen lassen hunderte Fragezeichen im Kopf aufleuchten?

Wenn Sie sich sich mit der Frage beschäftigten, für wen Sie eigentlich schreiben, taucht möglicherweise folgende Erkenntnis auf: Sie haben mehrere Personen im Kopf. Und die sind alle sehr verschieden. Eventuell stellen Sie sogar fest, dass es fast unmöglich ist,  sie alle in einem einzigen Text adäquat abzuholen.

Sollte es Ihnen nach Ihrem ersten Textkonzept genauso gehen: Das ist verständlich. Wirklich. Wenn Sie wüssten, wie manch ein Teilnehmer meines Online-Workshops einen schier unlösbaren Knoten im Kopf hatte, als es darum ging, den Zielleser zu definieren…

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen berichten, wie erlösend es sich anfühlt, wenn jemand mit einem zusammen diese Fragezeichen auflöst. (Ja, auch ich habe diesen Knoten dann und wann im Kopf.) Indem er einen mit den richtigen Fragen auf die Antworten bringt und die Puzzleteile zusammensetzt. Holen Sie sich also Rat! (Kleiner Hinweis: Auch das mache ich in meinem Workshop mit Ihnen :-)).

Meine Empfehlung

Auch wenn es erst einmal so aussieht, als würde sich das Schreiben durch ein Textkonzept in die Länge ziehen – das Gegenteil ist der Fall. Hier eine Rückmeldung aus einem meiner Kurse:

Bisher hatte ich so meine Schwierigkeiten, mich beim Schreiben kurz zu halten. Jetzt habe ich ein ganz klares Bild meiner Zielgruppe im Kopf, wenn ich schreibe. Auf einmal ist die Wortwahl klar, ich weiß, wie ich den Leser ansprechen muss, was ihn interessiert und welchen Nutzen ich dem Zielkunden biete. Ich habe zusammengestrichen, was das Zeug hält. Meine Texte sind jetzt viel kürzer, weil ich weiß, was ich weglassen kann und warum.

Wenn Sie das nicht überzeugt, diese Methode ab jetzt anzuwenden…?! 😊