Eine kleine Anleitung für gute Texte

5 Schritte, um besser zu schreiben

Es fällt Ihnen schwer, den roten Faden beim Schreiben zu finden? Sie mühen sich tagelang ab, etwas zu schreiben, bevor Sie es versenden können, egal, ob Website, Mailing, Flyer oder Blog? Und stellen hinterher dann frustriert fest, dass es keinen interessiert hat? So langsam haben Sie es einfach satt und sind demotiviert? Obwohl Sie gleichzeitig auch wissen, dass Sie schreiben müssen, wenn Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen an Ihre Kunden bringen wollen? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie! Diese kurze Anleitung für gute Texte führt Sie Schritt für Schritt von der ersten Idee zum fertigen Text. 

Egal, was Sie regelmäßig schreiben müssen, ob Mail, Blog, Website, Broschüre – jede Art von Text folgt den gleichen Grundregeln. Dabei ist es egal, in welcher Branche Sie arbeiten.

Darum kommt hier eine Anleitung für gute Texte, die Sie Schritt für Schritt führt und Ihnen dabei hilft, dass Ihre Texte endlich gelesen werden.

Schreiben ist ein Prozess

Die meisten Menschen wissen nicht, dass Schreiben ein Prozess ist. Und der beginnt nicht mit dem Schreiben! Und endet auch nicht, wenn Sie fertig geschrieben haben.

Wolf Schneider, der „Deutsche Sprachpapst“ hat in einem Buch „Deutsch für junge Profis“ (was ich Ihnen sehr empfehle), ein wunderbares Zitat geprägt:

„Einfach drauf los zu schreiben ist ein Luxus, den sich keiner leisten kann, der von Unbekannten gelesen werden möchte (…). Um seine Leser muss er werben, und ganz ohne Plage geht das nicht. Am Anfang stehen ein paar schlichte Einsichten – und der Wille, sich an sie zu halten.“

Ich arbeite mit fünf Schritten: zwei Schritte Konzept, ein Schritt schreiben, zwei Schritte Text überarbeiten bzw. überprüfen.

Natürlich ist dieser Prozess nicht das ultimative und alleinige Rezept. Ich halte nicht viel davon, die eigenen Tipps als unübertrefflich hinzustellen. Aber ich weiß, dass der Schreibprozess, den ich als Texterin anwende, vielen Menschen ebenfalls hilft, zielgerichtet zu schreiben. Und vielleicht merken ja auch Sie, dass es Ihnen mit dieser Kurzanleitung wesentlich leichter fällt, am Ball zu bleiben. Weil Sie endlich wissen, womit Sie anfangen sollen und wo es weiter geht, wenn Sie nicht mehr weiter wissen.

Vor dem Schreiben denken, nach dem Schreiben kontrollieren

Machen wir es kurz, Sie wollen sicher wissen, welche diese fünf Schritte sind. Und das sind sie:

  1. Konzept für den Text erstellen
  2. Die Perspektive wechseln
  3. Text schreiben
  4. Text auf Verständlichkeit prüfen
  5. Korrektur lesen

Sie sehen an diesen fünf Schritten, was Sie also alles bedenken sollten. Für einen erfolgreichen Text sollten Sie vorher etwas Denkarbeit investieren und sich hinterher die Zeit nehmen, das Geschriebene zu kontrollieren und zu überarbeiten.

Und los geht’s:

Schritt 1: Erstellen Sie ein Konzept für den Text

Schreiben Sie nicht einfach drauf los! Wenn Sie ohne ein Konzept anfangen, wird es Ihnen schwer fallen, dran zu bleiben. Weil Sie sich sehr oft verlieren, viel hin- und her überlegen und nie richtig zufrieden sein werden. Und am Ende wird Ihr Leser sehr wahrscheinlich nicht lesen, was Sie geschrieben haben, weil er gar nicht richtig versteht, was Sie mit diesem Text von ihm wollen.

Fragen Sie sich: Warum schreibe ich diesen Text? Machen Sie sich unbedingt genau klar, was Sie überhaupt erreichen wollen!

Sie schreiben nicht um des Schreibens Willen. Sie schreiben, weil Sie etwas zu sagen haben oder wollen, dass Ihr Kunde etwas tut (oder nicht tut). Wenn Sie eine Reaktion Ihrer Kunden erzielen wollen, müssen Sie das im Hinterkopf behalten während des Schreibens.

Seien Sie sich im Klaren darüber, wen Sie erreichen wollen!

Wir haben in der Schule leider nicht gelernt, für Menschen zu schreiben. Ein Aufsatz, wie er unseren Deutschlehrern wahre Glücksgefühle beschwert hätte, ist leider das genaue Gegenteil dessen, was Sie an Ihre Kunden richten sollten. Weil sich so ein Schulaufsatz an niemanden wirklich richtet. Haben Sie also ein klares Bild im Kopf, wer den Text lesen soll!

Ihr Text erreicht den Kunden nicht im luftleeren Raum!

Bedenken Sie, in welchem Kontext er Ihr Mailing, den Werbebrief, den Blogartikel etc. lesen wird. Fragen Sie sich, welche Informationen in diesem Zusammenhang nützlich für ihn sind und was er vielleicht schon dazu weiß.

Am besten notieren Sie sich die Antworten. So erarbeiten Sie sich ein Fundament, auf dem Sie Ihren Schreibprozess aufbauen. Je solider dieses Konzept ist, desto besser wird der Text –vergleichbar mit einem Haus.

Wie Ihre Texte mit einem Textkonzept besser werden

Schritt 2: Schlüpfen Sie in die Haut Ihres Adressaten!

Sie sind frustriert, weil es offensichtlich keinen interessiert, was Sie schreiben? Dann seien Sie beruhigt: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ihre Zielkunden eigentlich ziemlich interessiert daran wären, was Sie zu sagen haben. Die traurige Wahrheit ist wahrscheinlich aber auch: Sie schreiben bisher unbewusst an Ihren Kunden vorbei.

Oft werde ich in meinen Seminaren gefragt: Was ist denn das Wichtigste für meinen Leser? Die Antwort ist: Die Antwort kennen Sie selber am besten, denn Sie kennen Ihre Kunden am besten!

Stellen Sie sich ihn einmal bildlich vor! Wer ist das? Welchen Beruf hat er? Wo arbeitet er? Was sind seine Wünsche und Ziele?

Was wichtig ist für Ihren Leser? Alles, was für ihn relevant und interessant ist! Das müssen nicht zwingend die Punkte sein, die Sie für die wichtigsten halten.

Deswegen lade ich Sie ein, die Perspektive zu wechseln und sich in die Lage Ihres Lesers zu versetzen.

Fragen Sie sich: Welcher Aspekt Ihres Themas könnte für den Leser so wichtig sein, dass er weiter lesen will?

Unterscheiden Sie unbedingt zwischen sich und Ihren Kunden, wenn es um die Frage geht, was das Wichtigste ist! Was für Sie wichtig ist, interessiert ihn vielleicht gar nicht.

Wenn es Ihnen schwer fällt, sich in Ihren Kunden hineinzuversetzen, lade ich Sie ein, mehr über ihn zu erfahren. Wenn Sie bereits Profile Ihrer Zielgruppen haben (Personas, Avatare), haben Sie oft schon viel Wissen über Ihren Zielkunden. Wenn es in Ihrem Unternehmen noch keine Personas gibt, machen Sie sich mit den oben genannten Fragen ein möglichst genaues Bild davon, an wen Sie sich mit diesem Text wenden.

Fragen Sie sich bei jedem Aspekt Ihres Themas, wie wichtig es für den Leser ist. Sortieren Sie die Informationen der Reihe nach:

  • sehr wichtig: ganz oben
  • „eigentlich-gar-nicht-so-wichtig-für-den-Leser-wenn-ich-ehrlich-bin“: ganz nach unten

So haben Sie eine Gliederung erarbeitet, an der Sie sich entlang hangeln können. Notieren Sie zu jedem Punkt alle weiteren Informationen. Stichpunkte und einzelne Gedankengänge reichen völlig aus. (Ausformuliert wird später!) So ergibt sich bereits die Struktur Ihres Textes.

Ich wiederhole an dieser Stelle meine Empfehlung, sich all das wirklich zu notieren, weil es Ihnen beim eigentlichen Schreiben enorm helfen wird.

Wie Sie herausfinden, was Ihren Leser interessiert

Schritt 3: Jetzt können Sie losschreiben!

Fällt Ihnen etwas auf? Genau, Ihr Blatt ist jetzt nicht mehr leer.

Mit der Struktur, die Sie sich in Schritt zwei erarbeitet haben, sind Sie bestens gewappnet. Denn jetzt können Sie die Informationen in Sätze fassen. Jetzt gilt es, den Inhalt so zu verpacken, dass Ihr Kunde es mit Freude liest.

Mit diesen fünf Tipps wird Ihr Text leserfreundlich:

Das Wichtigste zuerst

Der Anfang muss Ihren Leser überzeugen! Was Ihren Leser definitiv vergrault: Eine Binsenweisheit direkt zu Anfang. Unbedingt.Weglassen! Bleiben Sie bei der Struktur, die Sie sich erarbeitet haben.

Halten Sie sich kurz!

Kurze Sätze (maximal 20 Wörter) und kurze Wörter (maximal vier Silben) sind optimal, damit Ihr Leser alles Wichtige erfassen kann. Und vor allem: Pro Satz nur eine einzige wichtige Information! Je mehr Sie in einen Satz packen, desto mehr laufen Sie Gefahr, dass Ihr Leser keine einzige davon behält.

Schreiben Sie aktiv!

Verwenden Sie Verben statt Substantivierungen und sprechen Sie Ihren Leser direkt an. Streichen Sie Passivsätze und „man“.

Bringen Sie Struktur in den Text!

Bleiben Sie bei den Sinneinheiten, die Sie in Schritt 2 gebildet haben, damit der Text eine logische Reihenfolge behält. Mit Zwischenüberschriften fördern Sie den Lesefluss und erleichtern Sie das Scannen. Die Zwischenüberschrift kann als Frage formuliert sein oder die Kernaussage des nächsten Absatzes wiedergeben. Ideal für das Auge sind kurze Absätze mit einer Länge von vier bis fünf Zeilen. Wenn Sie etwas aufzählen, machen Sie ab drei Punkten eine Liste.

So erreichen Sie eine Formatierung, die für das Auge angenehm ist. Sie kennen sicher diese „Bleiwüsten“, die Sie förmlich erschlagen, weil Sie nichts anderes sehen als Text.

Mit Absätzen und Listen schaffen Sie Weißraum und dieser ist äußerst angenehm fürs Auge.

Bleiben Sie natürlich!

Stellen Sie sich vor, Ihr Leser steht vor Ihnen. Wie würden Sie ihm erklären, was Sie gerade schreiben wollen? Formulieren Sie es so! Haben Sie keine Angst, dass es nicht ansprechend genug klingen könnte. Behördendeutsch möchte niemand lesen! Wirklich!

Wie Sie in vier Schritten natürlich schreiben

Für den Alltag: Laden Sie sich meine kostenlose Checkliste für bessere Texte herunter

Im Podcast von Passion+Profit erzähle ich von den häufigsten Fehlern, die beim Schreiben passieren.

Schritt 4: Sorgen Sie für Verständlichkeit!

Ihr Text ist fast fertig. Gratulation, Sie haben es fast geschafft und können bereits jetzt stolz auf sich sein, denn Sie haben den größten Teil der Arbeit hinter sich!

Nun folgt die Kür für Ihren Text. Mit diesem Schritt sorgen Sie dafür, dass Ihr Leser versteht, was Sie sagen wollten.

Machen Sie eine kurze Pause und nehmen Sie den Text erst dann wieder zur Hand. Das wird Ihnen helfen, den Text mit etwas Abstand zu sehen.

Lesen Sie ihn noch einmal und fragen Sie sich:

Versteht mein Kunde das, was ich geschrieben habe, in dem gegebenen Kontext mit seinem Vorwissen? Sind die Übergänge schlüssig und flüssig?

Denn wenn das nicht der Fall ist, besteht die Gefahr, dass er etwas mehrmals lesen muss oder sich fragt, wie genau diese oder jene Stelle gemeint ist. Wenn der Leser nachdenken muss, fängt er an zu stolpern. Und je öfter er stolpert, desto mehr sinkt die Motivation zu lesen, was Sie geschrieben haben.

Sobald er flüssig lesen kann und nicht mehr nachdenken muss, was Sie gemeint haben könnten, gewinnen Sie ihn für sich und Ihr Anliegen.

Sind Ihre Aussagen ein-eindeutig und unmissverständlich?

Ja, ein-eindeutig. Damit es absolut keinen Interpretationsspielraum mehr gibt. Denn das führt oft dazu, dass Ihr Kunde eben nicht das tut, was er soll. Womit Sie zum Schluss kommen, die Leute seien einfach zu blöd zum Lesen. Seien  Sie hier selbstkritisch und ehrlich mit sich. Es zahlt sich aus! (Ein Plädoyer für mehr Selbstkritik im Alltag)

Haben Sie alle Informationssackgassen entfernt?

Informationssackgassen sind Informationen ohne Hilfe, wie es an dieser Stelle weitergeht, wie: „Die Bestellung erfolgt über unser Onlineformular“ ohne Link zum Formular. Sagen Sie immer, wie es vom aktuellen Punkt aus weitergehen kann und lassen Sie Ihren Leser nicht im Regen stehen! (Mehr zu Informationssackgassen)

Sagen Sie Ihrem Leser genau, was er als nächstes tun soll und wie das geht (z.B. „Vereinbaren Sie jetzt ein kostenfreies Beratungsgespräch“ mit Link zum Kontaktformular).

Schritt 5: Korrekturlesen

Ihr Text ist so gut wie fertig! Jetzt sollten Sie ihn noch einmal überprüfen und die letzten Fehler beseitigen.

Lesen Sie ihn noch einmal und achten Sie auf:

  • Tippfehler
  • Kommasetzung
  • Wortwiederholungen

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft!

Wenn Sie jetzt wissen wollen, wie lesbar der Text ist, analysieren Sie ihn am besten kurz mithilfe des Flesch-Index. Im Web gibt es einige Seiten, auf denen Sie die Lesbarkeit analysieren lassen können. Mehr zum Flesch-Index erfahren Sie auch in meinem Artikel: So wissen Sie in zwei Minuten, wie gut Ihr Text ist!

Seien Sie nicht zu streng mit sich!

Werden Sie allerdings nicht unruhig, wenn Ihr Flesch-Index-Wert noch nicht ideal ist. Oder Sie noch nicht so richtig zufrieden sind mit dem Ergebnis. Die Betonung liegt auf „noch“! Denn Schreiben ist Übungssache und mit jedem Text wird es Ihnen leichter fallen.

Machen Sie sich auch nicht verrückt bei der Überarbeitung Ihres Textes in den Schritten 4 und 5. Es ist genau die Überarbeitung, die viel Zeit kostet. Und wenn Sie wie ich zu den Menschen gehören, die erst zufrieden sind, wenn es perfekt ist, finden Sie schwer ein Ende. Seien Sie darum wohlwollend mit sich selber. Sie haben es sich verdient, jetzt erstmal mal zu feiern!

Verschicken Sie Ihr Mailing, stellen Sie den Text online – trauen Sie sich an Ihre Zielkunden! Sie werden nie wissen, wie die Reaktion ausfällt, wenn Sie ihn veröffentlichen. Sie lernen mit jedem Mal dazu und machen es beim nächsten Mal noch besser.

Schreiben ist ein Handwerk, das jeder lernen kann – auch Sie! Diese Anleitung für gute Texte wird Ihnen dabei helfen. Ich glaube an Sie! Tun Sie das auch!

Sie meinen es Ernst und wollen endlich lernen, wie Sie zielgerichtete Texte an Ihre Kunden schreiben? Dann kommen Sie in meine Seminare!