5 Fragen, die Sie sich nach dem Schreiben stellen sollten

Und so bessere Text schreiben

Ihr Text ist fertig? Gratulation, Sie können schon jetzt stolz auf sich sein, denn Sie haben viel Arbeit hinter sich. Aber: Nach dem Schreiben können Sie noch einiges dafür tun, damit Ihr Text immer besser wird – und damit meine ich nicht das Korrekturlesen. Wenn Sie wollen, dass er wirklich lesbar und verständlich wird, stellen Sie sich diese fünf Fragen. Und: Planen Sie ein bisschen Zeit ein!

Irgendwie ist es ja ein bisschen demotivierend. Da sind Sie froh, mit dem Schreiben fertig zu sein – und dann komme ich und sagen Ihnen „Oh übrigens, da wäre noch etwas.“

Ich will Ihren Sinn dafür schärfen, dass das reine Schreiben nur ein Teil von mehreren bei der Text-Entstehung ist. Weil es mir wichtig ist, dass Sie das gesamte Handwerkzeug haben, um Texte zu schreiben, mit denen Sie wirksame Texte schreiben. (Was Sie vor dem Schreiben tun sollten)

Darum zeige ich Ihnen, mit welchen fünf Fragen Sie überprüfen, ob Ihr Text lesbar und verständlich ist, und er so wirklich effektiv wird.

Aber bevor Sie das tun sollten, können Sie sich (kurz) zurücklehnen. Denn mein Rat vorab lautet:

Legen Sie den Text einige Zeit weg

Gönnen Sie Ihrem Werk eine Pause. Legen Sie ihn einige Zeit weg.

Wie lange Sie sich etwas Abstand gönnen sollten?

Je nachdem, wie viel Zeit Sie haben, empfehle ich mindestens eine Mittagspause. Besser ist eine Nacht. Noch idealer sind ein paar Tage. Wenn nicht sogar eine Woche. Oder noch länger.

Was das bringt?

Sie sehen den Text mit einem frischeren Blick. Und das ist extrem hilfreich, denn Ihnen werden Sachen auffallen, die Sie vorher nicht gesehen haben. (Was völlig normal ist – die „Betriebsblindheit“ holt uns alle irgendwann ein.)

Sie haben es sicher schon mal erlebt, wenn Sie etwas geschrieben haben und dann unfreiwillig unterbrochen worden: Auf einmal fragen Sie sich, was Sie sich bei diesem und jenen Satz eigentlich gedacht haben. Oder dass ein Übergang irgendwie holprig ist.

Darum sind solche Pausen extrem hilfreich – machen Sie sich das zu Nutze.

Und vor allem: Planen Sie diese Zeit ein! Denn wenn Sie etwas „kurz vor knapp“ schreiben, haben Sie natürlich weniger Möglichkeit, etwas Abstand zu gewinnen.

Lesen Sie Ihren Text nun noch einmal und stellen Sie sich die folgenden fünf Fragen.

1. Versteht mein Leser, was ich geschrieben habe, mit seinem Vorwissen?

Denken Sie hier an diejenigen, die Ihren Text später lesen sollen.

Passen Ihr Inhalt und die Erwartungshaltung des Lesers zusammen? (Wie Sie herausfinden, was für Ihre Leser wichtig ist)

Können Sie direkt ins Thema einsteigen, weil Ihr Leser damit vertraut ist? Oder benötigt er Hintergrundinformationen? Verwenden Sie Abkürzungen, die Ihrem Zielleser bekannt sind?

Passt der Inhalt zum Kontext? Ein Beispiel: Ist er für eine Imagebroschüre, die Sie in Ihrem Unternehmen auslegen, können Sie andere Informationen bzw. weniger über sich schreiben, als bei einem Flyer, den Sie in der Umgebung verteilen, damit Leute auf Sie aufmerksam werden.

2. Sind die Übergänge schlüssig?

Passt die Reihenfolge der Absätze? Schließt der nächste logisch an den vorherigen an?

Oder haben Sie das Gefühl, dass es einen Bruch gibt? Hören Sie auf dieses Gefühl! Denn sehr wahrscheinlich passiert es dann auch Ihrem Leser und er ist irritiert.

Manchmal reicht es, die Reihenfolge der Absätze zu ändern, manchmal fehlt noch eine Information, manchmal ist es auch nur die Wortwahl und es reicht, wenn Sie einfach ein Wort tauschen.

3. Sind die Sätze flüssig zu lesen?

Oder merken Sie, dass Stellen haken? Und Sie stolpern? Und diese noch einmal lesen müssen, um zu verstehen, was genau Sie eigentlich gemeint haben?

Oft hilft es hier, sich auf einen einzigen Gedanken pro Satz zu beschränken. Tipps dazu finden Sie in meinem Artikel Schreibe kurz und sie werden dich lesen.

Warum es so wichtig ist, dass der Text flüssig zu lesen ist?

Wenn Ihr Leser nachdenken muss, wie Sie etwas gemeint haben, unterbricht das den Lesefluss.

Und je öfter das beim Lesen passiert, desto mehr sinkt die Motivation, zu lesen, was Sie geschrieben haben. Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit rapide, dass Ihr Leser zwischendrin aussteigt. Und das wollen Sie schließlich nicht. Er soll ja möglichst alles lesen, was Sie zu sagen haben.

Sobald Ihr Leser flüssig lesen kann und nicht mehr nachdenken muss, was Sie gemeint haben könnten, gewinnen Sie ihn für sich und Ihr Anliegen. Und so wird Ihr Text überzeugend und wirksam!

Auch hier reicht es manchmal schon, einfach ein Wort auszutauschen oder die Satzstellung zu ändern.

Wenn Ihnen das schwer fehlt, ein Tipp: Es hilft, wenn Sie sich fragen, ob Sie so sprechen würden, wie Sie geschrieben haben. (Wie Sie so schreiben, wie Sie sprechen) So klingen Ihre Texte natürlicher und flüssiger.

4. Sind Ihre Aussagen ein-eindeutig und unmissverständlich?

Ja, Sie haben richtig gelesen. Da steht „ein-eindeutig“.

Ich möchte verdeutlichen, dass es zwei Seiten von Eindeutigkeit gibt – nämlich Ihre und die des Lesers. Was Sie als komplett klar ansehen, kann für ihn ganz anders wirken.

Und so entstehen Missverständnisse.

Wenn Sie bessere Texte schreiben wollen, achten Sie darauf, dass es absolut keinen Interpretationsspielraum mehr gibt. Denn das führt oft dazu, dass Ihr Kunde eben nicht das tut, was er soll. Womit Sie zum Schluss kommen könnten, dass die Leute nicht oder nicht richtig gelesen. (Warum Leute fragen, was schon online steht)

Darum nochmal in aller Deutlichkeit: Es liegt an Ihnen, dass Ihr Leser versteht, was Sie sagen wollen! (Vier Fragen, die Sie sich vorab stellen sollten, damit das gelingt)

5. Haben Sie alle Infor­mations­sack­gassen entfernt?

Zeigen Sie Ihrem Leser immer, wie es vom aktuellen Punkt aus weitergehen kann? Oder lassen Sie ihn „im Regen stehen“? Zum Beispiel, indem Sie sagen „Die Bestellung erfolgt über unser Onlineformular“ und keinen Link nennen. Oder auf Ihren Newsletter verweisen und nicht verlinken, wo er sich anmelden kann.

Infor­mations­sack­gassen sind also Informationen ohne Hilfe, wie es an dieser Stelle weitergeht. Mehr zu Infor­mations­sack­gassen

Sagen Sie Ihrem Leser darum immer ganz genau, was er als nächstes tun soll und wie das geht. Also zum Beispiel „Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Erstgespräch“ und verlinken Sie Ihre E-Mail-Adresse oder das Kontaktformular.

Warum die Arbeit sich lohnt: Sie werden erfolgreicher

Sie sind jetzt ein bisschen erschlagen, weil das alles nach ganz schön viel Aufwand klingt?

Nun – ich streite nicht ab, dass es das ist.

Aber an dieser Stelle möchte Sie Sie gern mit einem meiner Lieblingszitate des spanischen Journalisten Enrique Jardiel Poncela (1901 – 1952) ermuntern:

“Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer zu schreiben.”

Und wie ich bereits geschrieben habe: Sobald Ihr Leser quasi durch den Text „fliegt“, gewinnen Sie ihn für sich und Ihr Anliegen. Denn mit besseren Texten sind Sie tatsächlich erfolgreicher.

In diesem Sinne: Es lohnt sich! Viel Erfolg!